Cerro de las Cabras und all die anderen Berge – Al Andalus Ultra Trail

“Das Schwierigste am Ultra laufen ist es wieder nach Hause zu kommen” diesen Satz hat Andrei einer meiner Freunde einmal gesagt, und ich glaube viele von uns können das bestätigen, warum das so ist kann keiner wirklich beschreiben, vielleicht weil ein Teil von uns immer dort draussen Zuhause sein wird, weil man so viel dort lässt aber auch so viel von dort wieder mitnimmt.

Tage 3 Zieleinlauf

Von daher hat es etwas gedauert, bis ich wieder schreiben konnte, wollte oder wie auch immer. 234 Kilometer liegen hinter mir, fast 6000 Höhenmeter bergauf und dann folgerichtig auch wieder herunter, 15 Liter Wasser am Tag im Schnitt habe ich getrunken, das ganze bei Temperaturen um die 40 Grad im Schatten, den hatten wir während des Laufens allerdings sehr selten, Schatten. Und Nächte im Zelt, auf dem Fussboden schlafend und mit der Taschenlampe Frühstück beziehungsweise Kaffee machend. 24 Stunden draussen, 5 Tage am Stück ohne ein Dach über dem Kopf. Viele sagen das ist der Wahnsinn, und ich kann das nur bestätigen, genau das ist es auch. Aber so gerne auch viele Drama Geschichten hören, genau eben die gibt es hier nicht, zumindest werde ich sie nicht erzählen, denn was ich hatte war der Wahnsinn, aber im positiven Sinne.

Frühstück….

So ein Lauf ist schwer, und wie schon bereits gesagt handelt es sich bei dem AAUT um einen der schwersten Etappenläufe den man bestreiten kann, aber wir trainieren auch genau dafür. Für diese Aufgabe, das Training ist schwer, meist schwerer als der Lauf dann selbst. Aber dafür zieh ich mir jeden Tag wieder die Schuhe an und kann genau das machen, was ich am meisten liebe, Laufen.

Über viele Berge ging es beim AAUT und vor allem, wenn man erstmal oben angekommen ist, dann muss man auf der anderen Seite auch noch wieder herunter, oft wartet dann schon der nächste Anstieg gleich dahinter. Und Ungewissheit am Morgen vor dem Start, die hab auch ich. Immer. Hinzukommt das ich vor jedem Lauf aufgeregt bin, das wird sich niemals ändern, man muss lernen beziehungsweise trainieren damit umzugehen. Am Donnerstag hatten wir den langen Tag vor uns. 68 km und bei meinem letzten Start beim Al Andalus hatte ich hier einen ganz schweren Tag, daran erinnere ich mich noch heute. In diesem Jahr kam noch hinzu das ich mit dem Leader Field starten musste, da ab Tag 3 die Starter in Gruppen aufgeteilt werden. Die erste Gruppe startet 30 Minuten bevor die Führenden der Gesamtwertung an den Start gehen.

Dies war allerdings auch der Tag an dem meine Zimmernachbarin entschied aus dem Rennen auszusteigen, sie war mit einer Freundin nach Loja gekommen, die beiden liefen für big against breast cancer und hatte sich für dieses Rennen extra ein paar Tshirts gemacht, von diesem Tag an war klar das keiner der beiden dieses über die Ziellinie tragen wird.

Was ich in diesem Jahr lernen durfte war, das es Ziele hinter einem Ziel gibt. Es ist nicht die Ziellinie, oder ein Platz auf dem Podium was uns motiviert, sondern es gibt viel stärkere Motive die uns bewegen. Ich lief zurück vom Start zum Zeltlager und fragte Valerie ob sie ihr Tshirt noch da hat und ob sie mir erlauben würde es für sie anzuziehen am Freitag auf der letzten Etappe, damit wir es schaffen, alle gemeinsam, das diese Botschaft über 234 Kilometer getragen wird. Sie schaute mich nur an und nahm mich in den Arm vor Freude. „Ich kann nicht versprechen das ich es bis Freitag schaffe, das weiss man bei so einem Rennen nie, aber ich verspreche dir das ich alles dafür tun werde.“

Bevor die Hitze kam war es ganz schön kalt. Ich hab schonmal für die Weihnachtsdeko geübt

Und genau das habe ich gemacht, von dem Moment an war mir klar dass ich keine andere Option habe, ich muss am Freitag über diese Ziellinie laufen. Nicht wegen der Ziellinie, aber für diese Menschen denen ich versprochen habe alles dafür zu tun.

An diesem Tag hatte ich nicht nur einen guten Tag, ich hatten einen perfekten Tag. Und das habe ich einem weiteren wunderbaren Menschen zu verdanken, nämlich Andrea, Andrea war am Morgen bereits gestartet und nach dem zweiten Checkpunkt konnte ich mit ihr aufschliessen. Ob wir die restlichen 50 Kilometer zusammen laufen wollen hab ich sie gefragt und sie blickte zu mir zur Seite und sagte: aber du könntest heute gewinnen, wenn du dich anstrengst. Aber das wollte ich nicht, ich wollte mein Versprechen halten und einen guten Tag haben. Und genau den hatte ich. Einen richtig guten Tag. Vielleicht einen der erfolgreichsten Tage meines Lebens. Und warum? Weil ich an diesem Tag eine gute Zeit hatte, wir haben gelacht, ich habe das gemacht was ich von ganzem Herzen liebe, ich bin gelaufen und bin mit einem grossartigen Menschen im Ziel angekommen.

Gemeinsam im Ziel an Tag 4

Freitag Morgen habe ich dann das Shirt von Valerie angezogen, ein Marathon noch zurück über den Berg nach Loja. Im Ziel nahm mich Valerie in den Arm und meine ersten Worte waren: „es tut mir so leid, dass ich das Tshirt so vollgeschwitzt habe.“ Und wir haben gelacht. Ich bin zweite geworden der Gesamtwertung beim Al Andalus Ultra, was ich als Sportler sagen kann und muss ja es ist schön ein Rennen auf dem Podium zu beenden, aber glaubt ein Podiumplatz ist schön, aber einen Menschen eine Freude zu bereiten ist noch tausendmal besser. Ich habe mein Versprechen gehalten, das war alles was für mich zählte.

Als ich meinen Unfall hatte, in dem selben Jahr hatte meine Mutter Brustkrebs. Ich war 16 Jahre alt. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen worden bin habe ich mich geweigert meine Mutter dort zu besuchen, weil ich kein Krankenhaus mehr sehen wollte. Daran habe ich gedacht, auf der letzten Strecke 42 Kilometer über die Berge. Ich habe auch darüber nachgedacht das meine Mutter mir nie vorgeworfen hat wie ich mich aufgeführt habe zu dieser Zeit und auch danach. Das ist nicht da war. Und das ich etwas ganz wichtiges von ihr gelernt habe: es ist egal ob du erster wirst, oder zweiter, ob du letzter wirst oder vielleicht sogar scheiterst, Fehler machst. Nur aufgeben, aufgeben darfst du niemals. Wenn du etwas wirklich willst, da mache alles dafür das du es erreichst.

Tag 5 am vorletzten Checkpunkt, Danke Valerie

Ich hoffe ich konnte Valerie damit eine Freude bereite, zumindest etwas. Denn wenn ich eins über dieses Rennen sagen kann, mich haben in diesen Tagen viele Menschen glücklich gemacht, mich zum Lachen gebracht, mir viel Freude bereitet und mir wieder gezeigt wofür ich diesen Sport so liebe. Für die Berge, das Laufen und die Menschen die zu Freunden werden. Ich komm zurück zum Al Andalus Ultra 2022 und freu mich schon.

Ich weiss das meine Mutter das hier lesen wird.  Estoy orgullosa de ti Mami, de verdad. Te quiero.

Stage 2 – AAUT – La Chapa

Heute mal was neues, heute war es heiss… Die Nacht war in einer Turnhalle geplant, da standen die Rennzelt. Es war aber einfach nur unendlich heiss. Sogar ausserhalb vom Zelt. Um Mitternacht hab ich dann meine Isomatte geschnappt und mich vor der Turnhalle auf die Strasse gelegt. Und keine Sorge, gut bewacht, der Rennarzt hatte die gleiche Idee. Um 6 Uhr früh ging dann wieder der Wecker. Frühstücken, Sachen packen, Füsse vorbereiten und vor allem Wasser.

Alles verstaut, nochmal Beine hochlegen vor dem Start und powernap, ganz wichtig

Heute ging es von Alhama de Granada durch die Berge, zurück nach Jatar unter anderem über La Chapa hinüber. Angefeuert dabei auch von vielen Mitläufern der vergangenen Jahre. Beim Ultralaufen geht es nicht nur um den Wettkampf, nach all den Jahren wird man fast zu einer Ultrafamilie.

Race briefing für Tag 2

Der Tag war lang, die Aussicht der Wahnsinn. Um mal eine kleine Vorstellung davon zu bekommen was das in Energieaufwand bedeutet: bei mir, ich bin ja nicht so gross sind das mal schnell 4500 verbrannte Kalorien, dagegen stehen während des Rennens 2 Energybars mit je circa 150 Kalorien. In Wasser bedeutet das seit heute früh 13 Liter Wasser mit Elektrolyte (kalorienfrei) dazu kommen noch die vom Arzt im Ziel vergebenen mindestens 2 für heute Abend. Wer das gerne mal ausprobieren möchte 15 Liter Wasser zu trinken… ich hab allerdings trotzdem noch Durst.

Blick von La Chapa

Ich konnte heute zweite werden und auch in der Gesamtwertung auf den zweiten Platz hochklettern. Aber der weg ist noch lang, das wissen wir alle. Im Ziel habe ich gleich Toosie bescheid gesagt, die mich wenn sie hier wäre mal ganz locker vom Podium gekickt hätte. Sie feiert mich gerade glaube ich um einiges mehr als ich mich selbst. Und eins musste ich ihr heute sagen: ich hatte echt einen mega Tag heute da draussen. Und wenn sie hier wäre würde sie meinen Bat-ass mal einfach vom Podium treten, aber ganz ehrlich, mir wäre es lieber meine Ultrafamilie wäre hier, dafür würde ich den Erfolg sofort eintauschen. Warum das so ist weiss keiner, aber jeder von uns denkt genauso. Als team sind wir unschlagbar, da ist viel wahres dran.

Stage 1 AAUT – Cerro Quemado (Loja nach Alhamada de Granada)

Es war heiss, aber nicht wie vorher gesagt 40 Grad sondern nur 39… und viele Berge. Laufen durch eine Mondlandschaft, die Sicht atemberaubend, die Hitze auch. Tag 1 beim Al Andalus Ultimate Trail auch bekannt als eines der härtesten Stageraces an dem man teilnehmen kann.

Cerro Quemado in der Sierra de Loja

Vor 3 Jahren war ich schon einmal hier, was für ein Erlebnis. Was sicher ist, es wird noch heisser. Aber für heute bin ich erstmal froh im Ziel zu sein. Verrückt irgendwie das ich hier bin. Da musste ich heute dran denken, an das warum tut man das. Warum man das tut, manchmal muss man den Mut einfach zusammen nehmen, auch wenn man weiss das es lange wird. Nach meinem Unfall kam meine Physiotherapeutin zu mir und sagte mir folgendes: ich weiss für dich ist es das Ende der Welt, ich weiss das es wehtut und ich weiss das es lange dauern wird bis du wieder gehen kannst. Aber ich weiss auch, das wenn du es erst gar nicht versuchst, dann hast du schon verloren und nicht nur dein Bein.

Das hat irgendetwas in mir wachgerüttelt in dem Moment und es ist etwas was ich bis heute in meinem Kopf behalten habe, für viele Situationen im Leben.

Vor dem Start…

Und heute weiss ich, es hat verdammt lange gedauert bis ich wieder gehen konnte. Es hat 10 Jahre gedauert bis ich wieder an einer Startlinie gestanden habe. Ich hatte Ermüdungsbrüche und Schmerzen, Zweifel, aber ich hab immer an diese Worte gedacht.

Ich habe fast mein Bein verloren, heute stand ich am Start einer der schwersten Stage-Rennen der Welt und wurde Dritte der Gesamtwertung. Man neigt schnell dazu zu sagen und das obwohl ich mir den Fuss zertrümmert habe, aber ich glaube das alles ist möglich gerade deswegen.

Anreise Al Andalus Ultra

Heute gibt es mal Berge nur aus dem Fenster zu sehen. Und das was auf mich zukommt die nächsten Tage. Berge, Hitze wir haben aktuell 40 Grad tagsüber und…. Sachen packen.

Genau damit wird heute auch angefangen, Gepäck umpacken, das Reisegepäck umpacken von Renngepäck zu Storage-Gepäck, feststellen was man alles nicht dabei hat beziehungsweise in welcher logischen Reihenfolge man die Dinge die benötigt werden unterbringt. Bei mir fängt das erstmal mit Chaos an, das sieht dann wie folgt aus…

Einmal alles hin und wieder zurück

…und endet dann so (nicht weniger Chaos, aber in geschlossener Form)

In einer Tasche befindet sich jetzt mein Zuhause für die nächste Woche, die andere bleibt eingelagert beim Team

Was heute noch auf der Agenda steht: Race sign-in, Medical check und Race-briefing. Dazwischen noch die aktuellen Daten auswerten wie sich mein Körper von der Reise erholt hat (oder ob ich zuviel cafe getrunken habe), ein bisschen Physio und Tour de France schauen. Ganz ehrlich ich bin mal wieder endlos nervös, wie immer, ich glaube das ändert sich nicht mehr und dankbar für all die lieben Nachrichten die mir eine gute Zeit wünschen.

Status heute…

Das Versprechen was ich allen gebe: ich melde mich, wenn ich im Ziel bin. Im Herzen hab ich euch alle bei mir. Die Fledermaus fliegt…

#mountainsmatter #100Berge

Der Wilde Kaiser

4 Wochen Trainingsplan stecken in den Beinen, viele vertikale Meter beziehungsweise Kilometer auch. In den letzten 4 Wochen bin ich neben vielen Berge 3 Rennen gelaufen, natürlich auch in den Bergen. Der Trainingsplan war so ausgelegt das ich im Zeitraum von 4 Wochen 25.000 Höhenmeter zu absolvieren (das waren ein paar Berge) und in der letzten Woche an 5 aufeinanderfolgenden Tagen mindestens einen Halbmarathon inklusive 1000 Höhenmeter täglich zu laufen, um dann am letzten Tag am Wilden Kaiser zu starten.

Blick vom Wilden Kaiser

25.000 Höhenmeter das ist circa dreimal den Everest hinauf, also nur von der Höhe und auch nicht ganz, beim dritten Mal würde man nicht mehr ganz nach oben hinaufkommen. 25 Kilometer in den Himmel, vertikal. Die Berge die ich bei diesem Training erlaufen und erleben durfte werde ich noch zur 100 Berge Sammlung hinzufügen, anfangen möchte ich aber mit dem Ende, weil da bin ich ja gerade wieder herunter und neben dem Training und den Wettkämpfen war leider nicht viel Zeit zum Schreiben.

In den ersten beiden Rennen konnte ich es zweimal auf’s Podium schaffen, das heisst ich musste mich   auch verdammt anstrengen, die Berge fordern einen immer wieder heraus. Der zweite Wettkampf startete mit einem vertikal Kilometer, das heisst man hat einen Höhengewinn von einem Kilometer in nicht mehr als 5 km Distanz. Aber darauf will ich gar nicht hinaus eigentlich. Höchstens Hinauf.

Vielmehr darauf, das der Letzte Lauf mit dem der Trainingsblock beendet wurde ein sehr wichtiger für mich war. Man denkt schnell nach dem Training müsste man total fit sein, wenn der Körper aber keine Zeit hat zu regenerieren, ist man das eben überhaupt nicht, aber genau das war das Ziel dieses Blocks. Einmal richtig müde in einen Wettkampf gehen. Warum? Ganz einfach um mal den Kopf zu prüfen. Mit am Start am Wilden Kaiser war auch Alina, für mich seit dem die Kaiserin vom Wilden Kaiser, bei mir war an dem Tag wirklich gar nichts mehr wild, ausser der Berg vielleicht. Kurz hinter dem Start merkte ich, da kommt gar nichts mehr und dann hab ich den Berg gesehen und Alina loslaufen lassen. Ich war einfach nur noch grau, wie man das so sagt, und ich mich da auch gefühlt habe, da hilft auch kein Energybar oder Coffeinshot mehr. Vor ein paar Jahren hätte ich an diesem Punkt einfach gesagt okay Schluss für heute, no chance, no race. Aber die Berge habe mir einiges beigebracht in den letzten Jahren und als ich an den Anstieg zum Wilden Kaiser kam, kam mir ein Lächeln auf’s Gesicht und ich fasste den Entschluss das ich heute einfach einen ganz wunderbaren Tag am Berg verbringen werde und dann über die Ziellinie. Ankommen. Weil ankommen zählt. Ein Ziel erreichen zählt halt manchmal auch und gerade dann, wenn es mal nicht so läuft. Jede Ziellinie zählt, habe ich einmal gesagt, vor ein paar Jahren als ich mit dem Laufen wieder angefangen habe. Egal ob ich schnell oder langsam bin, jede Ziellinie ist der Beweis dafür das es sich eben lohnt nicht aufzugeben.

Steinig ging es den Wilden Kaiser wieder hinunter

Viele Menschen mit denen ich mich unterhalte erzählen mir das sie auch laufen aber eventuell nicht so schnell oder nicht so weit oder oder oder. Meine Antwort darauf, und die kommt wirklich aus tiefstem Herzen ist und wird immer sein: „es ist völlig egal, wie schnell du bist, wie weit du läufst oder wie du läufst. Wenn du ankommst und dein persönliches Ziel erreichst habe ich jeden Respekt vor dieser Leistung.“ Wenn du deine Finisher Medaille in der Hand hast und dich freust, ganz ehrlich, dann bin ich dein grösster Fan.

so weit die Beine tragen

Ich bin mal mit einem Kilometer wieder angefangen, ich weiss wie schwer Laufen ist. So machte ich am Samstag meinen Weg am Wilden Kaiser und ganz ehrlich, ich hatte irgendwie auch richtig Spass dabei. Auf den letzten 4 Kilometern konnte ich noch eine weitere Läuferin mitnehmen deren Beine den Dienst bereits quittiert hatten, aber dann doch mit mir noch in Scheffau Freudestrahlend über die Ziellinie liefen. Das ist unser Sport. Die Berge, der Zusammenhalt und das Erreichen der Ziellinie. Dieses Mal eine ganz unwilde Fledermaus am Wilden Kaiser, aber auch nicht ohne Grund gab es diesen besagten Trainingsplan. In der nächsten Woche wartet eine neue Ziellinie. Neue Berge und neue Geschichten. Ich werde versuchen hier täglich eine Update zu schreiben, wenn möglich, für alle diejenigen die es interessiert wie es so ist 235 Kilometer durch die Berge zu laufen.

Der Wilde Kaiser war wunderschön. Ein wunderbarer Tag für den ich wieder sehr dankbar bin.

#FortheloveofSport #Mountainsmatter

Natrun – Österreichische Meisterschaften Maria Alm

Ich bin den Natrun hinaufgelaufen, von der Maria Alm. Fünfmal, um genau zu sein Fünfeinhalbmal, dann war die Zeit um. Warum man sowas macht? Jeder Berg zählt ja nur einmal…

Ja, könnte ich mich jetzt auch fragen. Aber die Aussicht vom Prinzensee zum Hochkönig hinüber ist einfach wunderschön. Das darf mir jeder gerne glaube. Zum Natrun führt auch eine Seilbahn hinauf. Auch schön, dachte ich mir, als ich das dritte Mal hinauf bin. Einen schönen Bike Park gibt es da auch, warum fahr ich eigentlich nicht Mountainbike anstatt hier mit einer Wand ein auf’s andere Mal bergauf und bergab zu leiden, dachte ich mir das vierte Mal. Und jetzt noch Gewitter, ungünstig am Berg, dachte ich mir beim fünften Mal. Aber, es war Österreichische Trail Meisterschaft und ich war dabei. Den Berg hinauf und herunter. Die Erste Meisterschaft seit…., ja, seit einer Ewigkeit. Und ich habe mich gefreut, am Start, am Berg, am Ziel. 2250 Höhenmeter auf 33 Kilometer. Das sind die Zahlen.

Der Weg: Maria Alm – Natrun, kann ich nur empfehlen.

Und das Thema was mir dieser Weg mitgegeben hat und auch der Wahlspruch der Österreichischen Meisterschaften war: Sieger geben niemals auf.

Mit viel Freude, aber auch Respekt stand ich dort am Start, ganz klein, so wie früher. Aufgeregt wie immer. Die Startnummer auf der linken Hüfte, immer an der rechten Startseite, auch das wird sich niemals ändern, wenn ich mir einen Startplatz aussuchen kann.

Ein Freund von mir hatte ein Spiel mit seiner Mannschaft, das sie verloren haben. Auch das gehört dazu. Verlieren, wo es Sieger gibt, gibt es auch immer jemanden der verliert. Ich kenne das Gefühl, ich konnte immer ausflippen, beleidigt sein und mir alles vorwerfen was mir an solchen Tagen nur einfiel. Unausstehlich war ich früher, an diesen Tagen. Aber ich habe daraus in der Vergangenheit auch etwas gelernt, einer meiner Trainier hat immer zu mir gesagt, wenn ich mal das Training nicht so ernst genommen habe: Nichts ist so alt wie dein Erfolg von gestern. Da gibt es keine Ferien, du wirst immer an deiner Performance gemessen werden, und wenn sie heute schlecht ist, dann ist sie schlecht.

Das sind harte Worte, diese richtig zu aufzunehmen musste auch ich erstmal lernen. Was er damit eigentlich sagen wollte war aber nicht, das ich jeden Tag meine Topperformance ablegen sollte, aber das ich ein guter Athlet sein soll. Und das bedeutet nicht den Kopf in den Sand zu stecken sondern weiterzumachen. Tapfer zu sein, egal ob du gewonnen hast oder verloren. Den Sport den du machst zu lieben und genau dafür weiterzumachen.

Gewinnen können wir alle, nichts ist einfacher als eine Trophäe in die Hand zu nehmen und sich feiern zu lassen, allerdings sollte man dabei nie vergessen dankbar zu sein, das ist der Punkt wo es schwer wird, demütig. Aber man wird niemals aus einem Sieg lernen, weil ein Sieg ist neben einer guten Performance und dem zusammenkommen vieler weiterer Faktoren ein Endergebnis. Eine Niederlage, davon können wir lernen, davon sollen wir lernen. Davon werden wir gute Sportler. Und vor allem danach wieder aufzustehen und weiterzumachen, etwas mitzunehmen und sich wieder ein Herz zu fassen.

„Das ist einfach zu sagen, wenn man so viel gewonnen hat wie du“ wurde mir einmal gesagt. Und diese Aussage nehme ich auch an. Für mich allerdings sind die wahren Helden, diejenigen die wieder aufstehen und nicht aufgeben. Das sind für mich die wahren Sieger. 

Ich war immer fixiert auf Perfektion. Ich weiss noch bis heute wie mein Herz geschlagen hat, als ich das erste Mal im Bundesleistungszentrum in der Halle stand und die Olympischen Ringe gesehen habe. Zum Greifen nah und ganz echt.

Aber Perfektion ist nicht immer alles. Bis heute weiss ich auch noch wie ich nach meinem Unfall im Krankenhaus lag und mir gesagt wurde, das es nicht gut aussieht. Das mein Bein eventuell nicht mehr zu retten ist. Der Arzt der mich damals operierte, war an diesem Tag alles andere als ein Perfektionist in dem Sinne das er mir ein perfektes Bein zurückgeben würde. Aber so wie er sagte: sie sind ein junger Mensch und sie bekommen eine Chance. Und genau das war es was er mir an diesem Tag gegeben hat. Eine Chance, keine perfekte, aber nach der Operation hatte ich noch zwei Beine und die Chance wieder normal gehen zu können.

Einen Scherbenhaufen an zerschlagenen Träumen auch, den gab es gratis dazu. Und eine Probe an mich selbst, das weiss ich heute. Die Probe ob ich ein guter Athlet bin. Wenn ich über die Jahre zurückschauen haben mich viele Menschen beeindruckt. Und diese haben nicht immer oben auf dem Podium gestanden. Sondern ganz oft auch einmal daneben. Menschen, die ihren Sport geliebt haben, das geht von laufen, Bergsteigen bis zu Ping Pong. Die nicht aufgegeben haben und diese haben mich beeindruckt. Nichts desto trotz wollte ich selbst als ich wieder an der Startlinie stand meine Geschichte erzählen. Ich wollte nie das mich jemand darauf beschränkt was mir passiert ist, aber auch das gehört dazu, wenn man ein guter Athlet ist, das habe ich gelernt die letzten Monate. Ich habe eine Chance bekommen und vor allem, ich habe sie genutzt. Das wichtigste Rennen in meinem ganzen Leben hat an dem Tag angefangen an dem ich mich entschlossen habe wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Ich würde über mich nie sagen das ich ein Held bin, so wie es andere Sportler für mich waren. Aber ich hoffe das ich ein guter Sportler bin. Wenn ich laufe, habe ich heute eine Laufanomalie in meinem rechten Bein. Das wird immer so bleiben und jeder Schritt erzählt somit einen Teil meiner Geschichte, die dazugehört, zum Sportlerleben und zu einer Chance die ich genutzt habe.

Da wieder Wettkampfsaison ist, hier auch noch das Ergebnis. In der Gesamtwertung wurde ich Vierte. Die Altersklasse habe ich gewonnen. Sieger geben niemals auf.

Meine Beine sind müde heute – aber morgen bin ich wieder am Berg. Für den Sport und für die Berge.

100 Berge.

Cami de Cavalls – Menorca – vive la leyenda

Das ist das Motto von dem legendären Rundweg um die Insel Menorca, dem Cami de Cavalls „vive la leyenda“ lebe die Legende. Denn jeder der hier einmal die Ziellinie überquert der ist nach vielen Aussagen genau das, eine Legende. In diesem Blog geht es also nicht um einen Berg, sondern um eine wunderbare Landschaft, die allerdings den ein oder anderen Berg auf ihrem Weg beinhaltet. Aufgezählt habe ich diese nicht, das sind zuviele.

Wir Ultraläufer nennen diesen Lauf einen „rompe piernas“ – einen Beinbrecher, nicht weil es einen grossen Berg hinauf geht, sondern weil es während der Runde um die Insel zumindest an der Nordhälfte beständig bergauf und bergab geht, viele kleine Berge die an den Beinen zerren, auf der Südeseite geht es dann immer wieder in die Buchten hinunter, durch Strandsand und über steinige schmale Pfade. Dieser Lauf ist eine Legende so wie auch der Cami de Cavalls auf dem man 185 Kilometer unterwegs ist.

Die Streckenmarkierung entlang des Cami de Cavalls

Da war ich, vor gut zwei Wochen, zum dritten Mal. Auf dieser Insel bin ich meinen ersten 100 Kilometerlauf gelaufen und auch die 185 Kilometer um die Insel haben meine Beine mich schon entlang getragen. Dieses Mal hatte ich wieder einen Startplatz für die 185 Kilometer, aber einen ganz besonderen. In diesem Jahr bin ich auf die Insel gekommen mit 3 Freunden, die in den letzten Jahren mir immer wieder zugesprochen haben und ohne die ich sicherlich weitaus weniger gelacht hätte.

Wenn ich gefragt werde wie es ist um die Insel zu laufen, dann könnte ich darüber stundenlang reden, ich könnte euch alles erzählen, aber das wahre Gefühl was man dabei erlebt, das kann man nur selbst erleben. Zu dieser Aussage komme ich immer wieder, wenn mich Menschen über diese Läufe befragen. Und genau dieses Gefühl durfte ich dieses Jahr mit ein paar grossartigen Menschen teilen.

Als Team unschlagbar – better together war unser Motto

Meine ganz persönliche Geschichte zum Cami de Cavalls ist schon drei Jahre her, als ich zum ersten Mal auf diese Insel kam um mich auf den Weg zu machen.

10 Tage zuvor bin ich mit dem Fahrrad zum Training rausgefahren, am Ortsausgang wurde ich von einem Auto überfahren, der Fahrer hatte mich nicht gesehen als er auf die Strasse wollte und hatte mich komplett erwischt. Mein Rennrad lag auf der anderen Fahrbahnseite im Strassengraben und ich war einmal über die Motorhaube geflogen und lag auf dem Seitenstreifen. Alle Menschen um mich herum schrien und ich habe nur das Blut um mich herum auf der Strasse gesehen. „Beweg dich nicht“ war das einzige was sie alle zu mir sagten.

Mit dem Rettungswagen bin ich in die Notaufnahme gefahren worden. Ein paar Stunden später hatte ich einen verklebten Ellenbogen und ziemlich viel Faden in meiner rechten Körperhälfte. Mein Körper war grün, blau, blutig und voller Prellungen. Aber ich hatte keine Brüche. Ich hatte Glück. Wahnsinns Glück und in meinem Kopf nur den Gedanken, das ich eine Woche später einen der wichtigsten Läufe überhaupt in diesem Jahr hatte. Den Cami de Cavalls, meine ersten 100 Kilometer. Nach Rücksprache mit meinem Arzt und meinem Trainer bekam ich das okay nach zwei Tagen mit dem Training wieder weiterzumachen, aber ohne Schmerztabletten, ich durfte starten, allerdings waren alle wenig optimistisch das ich die 100 Kilometer schaffen werde, geschweige denn ein zufriedenstellendes Ergebnis abliefern würde. Ich wollte es trotzdem versuchen, dieser Lauf war so in meinem Kopf drin.

Ich zog mir zwei Tage später die Laufschuhe an. Und versuchte ein bisschen zu trainieren. Als ich zurückkam, standen meine Koffer gepackt vor der Tür. Was ich in dem Moment noch hatte, waren ein geschundener Körper, vom Auto überfahren, ein Fahrrad, ein Flugticket nach Menorca und ein Rennen was ich versuchen wollte zu laufen.

Ich habe im Auto geschlafen mit meinen Sachen, konnte dann bei einem Freund auf die Coach ziehen und bin dann wie geplant nach Menorca geflogen. Am Flughafen noch habe ich einer Freundin geschrieben, das 100 Kilometer mir auf einmal so gross vorkommen, dass ich nicht weiss ob das richtig ist, was ich hier gerade mache. Aber das ich laufen will, ich will es versuchen.

Fertig für den Nachtstart

Der Start war Freitag Nacht, kurz vor Mitternacht. 5 Minuten zuvor habe ich eine Nachricht bekommen: „Happy running. Freak“ und ich musste lachen. Jedes Mal, wenn ich ihr von meinem Training erzählte sagte sie nur „Du Freak“. Und dann lief ich los. In die Nacht hinein und auf einmal hatte mich die Legende vom Cami de Cavalls fest im Griff. Kurz vor Sonnenaufgang lief ich auf den Klippen von Arenal d’en Castell. Ich stolperte und fiel hin. Mein Kopf schlug auf den Steinen auf. Und ich dachte nur, ein Glück bin ich auf die linke Seite gestürzt, die rechte sieht ja schon schlimm genug aus von dem Autounfall. Am nächsten Checkpoint musste ich mich im Sanitäterzelt 30 Minuten verarzten lassen, bekam Blutstiller in meine aufgeplatzte Stirn. Ob ich weiterlaufen wollte? Fragten sie. Ich war fest entschlossen. Ich laufe weiter. Ich will nach Ciutadella. Wenn ich ganz ehrlich bin, an viel mehr von dem Lauf erinnere ich mich nicht mehr. Nur noch das es lang war und das ich bei Kilometer 80 eine Nachricht bekam: das ist nur noch ein Halbmarathon. Nur noch…. Ich glaub das war fast der längste Halbmarathon in meinem Leben, ganz abgesehen das der letzte Kilometer auch der längste Kilometer in meinem Leben war. Und dann war sie da, die Ziellinie. Ich war da.

Zieleinlauf Ciutadella 2018

Und ich lief gleich durch zum Erstehilfezelt mit den folgenden Worten zu den Sanitätern: „ich wollte mir eigentlich ein Cami de Cavalls Tattoo machen lassen, aber ich glaub ich hab da was auf der Stirn was dem sehr nahe kommen wird, könntet ihr das bitte einmal nähen?“ Die sahen mich von oben bis unten an, dann sagte einer: du weisst schon das du den zweiten Platz gemacht hast oder?

Nee, wusste ich nicht, war mir in dem Moment auch egal, oder auch nicht, oder ich hab es nicht realisiert. Ich wollte endlich meine Stirn genäht haben. 3 Stunden später sass ich im Flieger. Ich war 100 Kilometer gelaufen, auch wenn alles so aussah als wenn ich das nicht schaffen würde. Ich erinnere mich bis heute an das Geräusch der Weidetore, die man durchläuft, über 100 sind es, ein Geräusch was nie wieder aus meinem Gedächtnis verschwindet, genauso wie der Wind. Und die Legende des Pferdeweges von Menorca, die einen begleitet auf dem Weg, still und leise. Eine Narbe habe ich im Gesicht, die für immer von dieser Nacht erzählen wird. In der ich meinen ganzen Wille zusammen nahm und mir ein Herz fasste dieses Rennen zu Ende zu laufen.

Im letzten Jahr war ich wieder dort. Bin einmal um die ganze Insel gelaufen. Die Weidetore haben sich noch genauso angehört wie bei meinem ersten Lauf.

Als ich wusste das ich in diesem Jahr wieder einen Startplatz für die 185 Kilometer habe entschloss ich mich meine Freunde zu fragen ob sie mitkommen, mit mir auf den Cami de Cavalls. Aus einem ganz einfachen Grund: Ich werde niemals die richtigen Worte finden können um mich bei ihnen zu bedanken, für das was sie für mich getan haben in den letzten Jahren, und ich glaube diese Worte gibt es auch nicht. Aber ich hoffe, dass diese Tage auf Menorca, die Erinnerungen die ihnen davon bleiben, von dem Cami de Cavalls, dass genau das ein bisschen erklären kann, wie dankbar ich ihnen bin. Der Freak, die Fledermaus, die durch die Berge flattert und glücklich ist. Happy running. Freak.

5 auf einen Streich

Moosheck, Windhain, Judenkopf, Schellenberg, Weisseberg

Die fahr ich alle gleich zusammen dachte ich mir. Am Morgen war ich schon den Altkönig und den Feldberg hochgelaufen, das Lauftraining nimmt so langsam wieder mehr Zeit in Anspruch, was mich riesig freut, und hatte mir das Fahrrad gleich mit eingepackt um noch ein paar Berge zu fahren für die 100 Berge.

Eine Taunus-Bergrunde, der Feldberg war auch noch mit dabei, allerdings hat der ja schon für die 100 Berge beim ersten Mal gezählt. Fährt man dann nach dem Feldberg in Richtung Seelenberg kann man eine wunderschöne Runde durch den Taunus geniessen, die zum Abschluss dann nochmals auf dem Feldberg (wenn man möchte) endet.

Zwischenstop am Feldberg

Auch wenn ich an diesem Tag schon ein wenig mehr Training in den Beinen hatte, war es ein riesen Spass noch eine Runde mit dem Fahrrad zu drehen.

Wenn ich gefragt werde was für Sport ich mache und sage ich bin Ultraläufer, dann kommt es oft vor das auf einmal die Gesprächspartner mir ihre Trainingswerte erzählen, wie viel sie trainieren, wie schnell sie sind und wie hart ihr Training ist. Meine Antwort darauf ist dann meistens: „und, macht es dir Spass?“

Einige finden diese Frage arrogant oder unpassend. Des öfteren habe ich hierfür auch schon Kritik bekommen, denn ich würde ja sicherlich auch viel trainieren. Und das stimmt, das mache ich sicherlich, aber und das ist gerade beim Ultralaufen wichtig ich habe immer den eigenen Anspruch an mich, dass es mir Spass macht. Ich fahre dann auch mal 5 Berge rauf, oder 7 mal den Tibidabo. Und natürlich bin ich hier ehrlich, ich fluche dabei auch manchmal und ja, es ist auch anstrengend. Aber trotz allem, macht es mir Spass und das ist auch das erste was ich versuche Menschen zu erzählen, wenn sie mich fragen, was für Sport ich mache. Das ich genau das mache was mir Spass macht.

Und sicher ist das nicht immer einfach, aber, wenn man mich fragt ob ich am nächsten Morgen wieder aufstehe und es nochmal machen würde, sage ich immer ja. Ja, ich würde, wenn der Trainingsplan es erlaubt jeden Tag einen Berg rauf laufen und ja, auch wenn es anstrengend ist und ich bestimmt eigentlich kein Frühaufsteher bin: ein Morgen in den Bergen ist immer ein Geschenk für mich. Und darauf kommt es an. Es interessiert mich nicht ob jemand hart oder viel trainiert. Es interessiert mich ob du für das was du machst brennst. Ob es dir Spass macht, auch wenn es nicht einfach ist.

Würdest du das am nächsten Tag nochmal machen. Ja, sollte hier immer die Antwort sein für mich zumindest. Fährst du noch einen Berg hoch? Ja. Weil das ist mein Sport und das ist wofür ich jeden Morgen aufstehe.

conquered…

Wir haben uns vor einigen Tagen bei unserem Morgentraining einmal darüber unterhalten. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde das ich kein Wettkampforientierter Mensch bin, wenn da eine Startlinie und ein Ziel ist, dann kämpf ich dafür. Ich bereite mich darauf vor und vor jedem Rennen bin ich wahnsinnig aufgeregt, immer noch, nach all den Jahren. Ich bin auch ehrlich, das ich stolz auf meine Platzierungen bin, aber und das ist eigentlich der Punkt auf den ich kommen möchte. Man freut sich bei einem Wettkampf. Aber diese Momente im Training, wenn du da draussen bist, in den Bergen, die Welt schläft, die Sonne geht auf und ich laufe. Die Stille, der Morgen, die Freiheit da draussen, das sind unbeschreibliche und unbezahlbare Momente. Dafür lauf ich und dafür bin ich dankbar und das ist so  viel wichtiger als alles andere.

Und wenn ich oben ankomme auf dem Berg und strahle, einfach weil ich da oben bin, wieder. Endlich wieder. Man sagt, Berge kennen alle Antworten auf unsere Fragen, manchmal auch auf die Fragen die wir selbst noch gar nicht kennen. Da glaube ich dran und sie werden mich immer daran erinnern wer ich bin. Ich bin meinen ersten Traillauf mit 12 Jahren gelaufen, es hat geregnet und ich bin gerannt, von der Start- bis zur Ziellinie, als würde es kein Morgen mehr geben. Durch Matsch, Regen und Steine. Im Ziel war ich völlig am Ende, aber ich habe gestrahlt, da brauchte die Sonne gar nicht scheinen.

Daran erinnere ich mich heute noch, wie sehr ich mich gefreut habe. Und irgendwie fühlt sich dieser Moment, wenn ich heute auf einen Berg laufe fast so an, unbeschwert, froh und mit ganz viel Freude im Herzen. Manchmal denk ich dann an das kleine Mädchen, was durch den Wald gelaufen ist und sich gefreut hat einfach nur weil sie gelaufen ist. Dieses Gefühl, das hab ich in meinem Herzen behalten. Die Berge werden immer dafür sorgen das dieses Mädchen genau das macht was sie so sehr gern hat, auch wenn der Weg manchmal lang ist. Mehr brauch ich nicht.

Keine Berge – aber Deiche (7) – 100 Berge Special Edition

Dieses Wochenende habe ich mich auf den Weg in den hohen Norden gemacht, denn da komm ich her, aus dem Land zwischen den Meeren mit den unendlichen Horizonten, oder wie ich immer gesagt habe: „wenn man da auf dem Deich steht, dann sieht man heute schon wer am nächsten Tag zu Besuch kommt.

Dort oben gibt es zwar die Holsteinische Schweiz und auch Alpen, so wirklich Berge sind es aber nicht, dafür aber Deiche und die unendliche Weite. Und Wind, von allen Seiten.

Begleitung hatte ich dieses Mal von meinem Everestingkollegen dem Dude van Holstein, der auch diese Tour komplett geplant hat, dafür schonmal ein ganz grosseres Dankeschön. Und vor allem, seit dieser Runde ist er nicht mehr der Dude, sondern der Deichgraf.

Insgesamt konnten wir 2111 Höhenmeter auf unserer Runde quer durch Holstein sammeln, wofür wir allerdings einiges an Strecke zurücklegen mussten. Wir haben den östlichsten Punkt Schleswig-Holsteins besucht, und sind dafür zu Mitternacht über die Fehmarn-Sund-Brücke gefahren, sind einmal von der Ostsee zur Nordsee zu fahren um dann die gesamte Nordseeküste bis zur Elbe, entlang des Meeres Richtung Süden unsicher zu machen. Deiche rauf und runter. Wie oft wir zwischen binnen und butten Deich gewechselt sind weiss ich nicht mehr. Aber an der Stelle wo es wichtig war, waren wir draussen, am Meer von Westerhever und konnten bei klarer Sicht bis nach Pellworm sehen, die Insel auf der ich als Kind so oft in den Pflaumenbaum geklettert und mit dem Rad auf dem Deich meinen Opa in den Hafen hinterhergefahren bin.

Pellworm, ein Ort, den man bis heute nur mit dem Schiff erreichen kann, mein Opa war hier Kapitän, und viel habe ich von ihm gelernt. Über das Meer und die Weite und wie wichtig es ist sich gut orientieren zu können, wie Sterne einen den Weg weisen und man einen Kompass benutzt. Meine Oma hat den besten Apfelkuchen der Welt gebacken, ein Rezept hatte sie nie dafür, das macht man nach Gefühl. Ich konnte mich von beiden nie verabschieden, das haben ich dann am letzten Wochenende gemacht, mit dem Blick rüber nach Pellworm. Ich habe als Kind einen Ring von meiner Oma bekommen, mit einem Aquamarin, der Schutzstein der Seefahrer, am letzten Wochenende hat meine Mutter mir noch einen Ring von ihr gegeben, es ist ein Bergkristall, weil ich die Berge so liebe.

Aber zurück zu unserer Tour, es war kalt, es war dunkel und es war windig, als wir uns Donnerstag Nacht auf den Weg nach Fehmarn machten, auf der Brücke gab es kein Halten mehr, die Fahrräder wurden von links nach rechts gedrückt in der Dunkelheit. Es war so kalt, das wir auf der Rückfahrt bereits alle Jacken die wir bei uns hatten angezogen hatten, Wärmepflaster auf den Füssen und am ganzen Körper verteilt, warm wurden wir nicht mehr. Wir entschieden uns die Nacht durchzufahren, denn eine andere Option hatten wir eh nicht. Gemeinsam haben wir dann am nächsten Morgen Lübeck erreicht. Fast 250 km auf dem Fahrrad waren wir nur eins, müde. Ein Spielplatz, war zwar nicht die beste Möglichkeit sich auszuruhen, aber zumindest etwas. In Notfalldecken eingewickelt hofften wir das es langsam wärmer werden würde, in der Nacht waren die Temperaturen unter den Minuspunkt gesunken. Wir mussten unseren Ursprungsplan ändern.

Unsere Piratenburg in Lübeck

Ich sage extra das wir den Plan ändern mussten und nicht das unser Plan 1000 Kilometer am Stück durchzufahren gescheitert war, denn ein wirkliches Scheitern war es nicht, sondern eher der Beweis dafür das man auch wenn nicht alles perfekt ist immer noch etwas tolles und erfolgreiches daraus machen kann.

Treffpunkt: zur Geisterstunde am Bahnhof

Wir entschieden uns also in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit der letzten Bahn nach Flensburg zu fahren und von dort um 1 Uhr entlang der Dänischen Grenze zur Nordsee zu fahren, es war noch kälter als in der letzten Nacht, ich hab nur noch den Kopf runter genommen auf die weisse Linie geblickt und bin gefahren. Was wir die ganze Nacht durch hatten ausser eisige Kälte war jede Menge Spass, wir haben uns hundertmal gefragt warum wir eigentlich schon wieder so eine Aktion starten, waren wir doch schon am Freitag völlig unterkühlt, müde und am Ende gewesen. „das ist wie Klassenfahrt, da bist 3 Tage unterwegs und am Ende hast nix gelernt.“ Das wird der Spruch in unserem Reisepoesie-Album, genau wie unser Motto „wenn wir nicht mehr weiter wissen, fahren wir erstmal weiter“. Und genau das haben wir an diesem Tag auch gemacht.

In Husum gab es Frühstück und ein paar Holsteinische Geschichten über meinen Uropa, der mit dem Segelboot um die Welt gefahren ist um dann im Husum Hafen sein Leben zu lassen, weil er nicht schwimmen konnte.

Deiche rauf und runter, Zwischenstopp am Eiderspeerwerk, die besten Waffeln von der ganzen Nordseeküste und viele Menschen die uns fragten wo wir denn herkommen und erstaunt blickten, wenn wir sagten das wir heute schon fast 300km gefahren waren.

Eiderspeerwerk

Höhenmeter haben wir also geschafft, keine Berge, aber Deiche und unendlichen Horizonte.

Was wir vor allem geschafft haben, egal welche Hindernisse uns im Weg standen, und das waren an diesem Wochenende einige, und egal ob wir unseren Plan anpassen mussten, wir haben sie alle überstanden. Und das hat dieses Wochenende perfekt gemacht, auch wenn es überhaupt alles andere als perfekt war. Wir haben nie den Spass daran verloren an dem was wir machen, haben gelitten, gelacht und uns verfahren, sind wieder auf den Weg gekommen und haben ein Ziel erreicht, welches wie ich glaube das wichtigste ist: wir hatten eine tolle Zeit und haben uns trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lassen.

Zusammen ist alles schwere nur halb so schwer und alles Gute doppelt so gut. Wenn wir unser Kilometer zusammenrechnen sind wir sogar über 1000 Kilometer gefahren, alles eine Frage der Ansicht.

Wir haben Menschen zum Staunen gebracht und ich habe seit langer Zeit die Nordsee wieder gesehen.

Ein grosses Dankeschön an den Deichgrafen. Der „Berg“ ist für meinen nördlichsten Fahrradkollegen, der eigentlich am Sonntag noch die 400 Kilometer vollmachen wollte. Das machen wir noch, beim nächsten Mal dann, das wird richtig gut 🙂

#cyclingforkids #radfahrenfürkinder #100Berge #Mountainsmatter

Haldenwanger Eck – Grenzstein 147

Haldenwanger Eck 1931 m. ü. NHN, am Grenzstein 147 liegt die südlichste Stelle Deutschlands.

Da war ich, am Samstag. Im Prinzip hat mich mein neuer Teamkollege da rauf geschickt, Danke dafür, ich bin die Neue… Und um die Frage zu beantworten was es so in Einödsbach auf dem Weg dorthinauf gibt, einen Gasthof, der geschlossen war, Kirchen und in der Enzianhütte die höchstgelegenste Minibrauerei Europas. Ansonsten gab es am Samstag dort niemanden. Schnee dafür viel, Handyempfang auch herzlich wenig. Und das Mädchen mit dem Fahrrad und den Laufschuhe, wohlwissend.

100 Berge mit dem Rad, wie ist egal, aber oben ankommen ein Muss, damit der Berg zählt.

Ich war oben, ganz ehrlich, ich habe das Fahrrad die letzten Kilometer den Berg rauf tragen müssen, ein Glück ist es nicht ganz so schwer, das Fahrrad, das Laufen schon. Bei jedem Schritt bin ich durch das Extragewicht mindestens bis übers Knie im Tiefschnee versunken. Bei der, nennen wir es Abfahrt, bin ich einfach auf dem Hintern den Schnee runtergerutscht, wie Schlittenfahren, das Fahrrad auf dem Rücken. Mein Rücken und meine Schultern waren blau davon am Tag darauf.

Aber ich war da. Der Berg zählt. Ich habe dafür über 3 Stunden benötigt, aber das war mir am Ende völlig egal, irgendwie hat mich das fast an meine erste Fahrt Rat Penat rauf erinnert, nur das die um einiges schneller zu Ende war und ohne Schnee. Dafür aber auch irgendwie mit der gleiche Idee, ich muss da einfach hoch.

Am Ende fragt keiner, wie schnell du warst, aber ob du da gewesen bist, ist was wirklich zählt. Ich war jetzt am südlichsten Punkt von Deutschland, mit dem Fahrrad. Aus einem guten Grund, der für mich wichtig war, 100 Berge die es zu erobern gibt, ein weiterer Berg.

Eigentlich kam mir das Ganze auch gar nicht so lang vor, ich war ja im Prinzip die ganze Zeit mit dem beschäftigt was ich am liebsten mache, da bleibt die Zeit dann halt auch mal stehen.

Ich glaub der meistgesagte Satz den ich zu meiner Junioren Zeit gehört habe war: „Vorne gibt es Geld, hinten was mit der Peitsche“ (keine Sorge, das mit der Peitsche war nur so gesagt). Aber die Bedeutung war wohl mal jedem von uns klar. Eines Tages hat mich mein Trainer mal Seite genommen und gesagt, ich soll einmal anfangen mir Zeit zu lassen, das ist zwar ein Wettkampf auf Zeit, aber man kann sich auch mal Zeit lassen, das Ziel kommt schon, ich soll erstmal abwarten, nur so als Tipp. Ich hab gelacht, heute weiss ich was er damit meinte.

Ich habe dazu einen Podcast gehört in dem mein Coach Johannes Wunder, Steffen Kirchner interviewt über Persönlichkeitsentwicklung im Spitzensport geht. Eine sehr interessante Aussage darin ist folgendes Beispiel in Bezug auf Zeitinseln bei denen man mal wieder in sich selbst hineinhören sollte:

Das ist als wenn du das Navi im Auto einstellst und du willst nach Hamburg. Und ich will schneller sein als alle anderen. Dann kann ich das eingeben, ich kann dafür trainieren, ich kann lernen schneller zu fahren, den direktesten Weg zu finden, die Regeln zu brechen das mir auch keiner hinterherkommt und dann bin ich als erster in Hamburg.

Die Frage am Ende, wenn ich dann in Hamburg bin ist dann nur: was zum Teufel will ich denn in Hamburg?

Was passiert, wenn ich denn dort bin? Wem bringt dem denn das was ausser dir? Es geht nicht darum erster zu sein, Ziele sollten zu etwas dienen. Tausche Ziele gegen Erlebnisse.

Wenn ich heute davon erzähle, wie ich da rauf bin, zum Grenzstein, mit dem Fahrrad, ich freu mich immer noch. Ich bin in den Schnee gesprungen und habe Schneeengel gemacht, ich habe gelacht und mich gefreut, wie ein kleines Kind das zum ersten Mal einen Berg sieht. Soviel Freude, ganz einfach. Auch wenn es anstrengend und lange war. Ich freu mich einfach. Jedes Mal, wenn ich in den Bergen bin geht mir das Herz auf. Das ist wie nach Hause kommen für mich und das obwohl es für mich eigentlich nie einen Ort gab den ich wirklich jemals als Zuhause bezeichnet habe, ich hatte und habe Postanschriften, wie ich sie nenne.

Da wo meine Fahrräder stehen und mein Laufschuhe im Schrank sind. Aber wenn ich in den Bergen bin, fühl ich mich Zuhause, da tausche ich Ziele gegen Erlebnisse für mich und hoffentlich auch für andere. Wenn der Grund anzukommen stark genug ist, dann wird der Weg um einiges einfacher. Mein Grund, wieder einen Berg für die Kinder der Kinderstiftung Bodensee. Vielleicht sagt sich ja jetzt der ein oder andere er möchte auch mal rauf zum Grenzstein, mein Teamkollege hat schon gemeint jetzt muss er da auch mal hin mal sehen was es da so gibt am Haldenwanger Eck.

Was es für mich gab am Haldenwanger Eck, ein Lachen, mein Lachen, genau diese Lachen wofür mich meine Freunde kennen und das Strahlen in den Augen, dieser Berg war für Toosie, eine Freundin die immer sagt: „wenn ich die Berge sehe, dann denk ich immer an dich und daran wie deine Augen funkeln, wenn du hinaufsiehst, und das macht mich jedes Mal glücklich und dann muss ich lachen, weil du einfach verrückt bist.“

#cyclingforkids #radfahrenfürkinder #mountainsmatter