Haldenwanger Eck – Grenzstein 147

Haldenwanger Eck 1931 m. ü. NHN, am Grenzstein 147 liegt die südlichste Stelle Deutschlands.

Da war ich, am Samstag. Im Prinzip hat mich mein neuer Teamkollege da rauf geschickt, Danke dafür, ich bin die Neue… Und um die Frage zu beantworten was es so in Einödsbach auf dem Weg dorthinauf gibt, einen Gasthof, der geschlossen war, Kirchen und in der Enzianhütte die höchstgelegenste Minibrauerei Europas. Ansonsten gab es am Samstag dort niemanden. Schnee dafür viel, Handyempfang auch herzlich wenig. Und das Mädchen mit dem Fahrrad und den Laufschuhe, wohlwissend.

100 Berge mit dem Rad, wie ist egal, aber oben ankommen ein Muss, damit der Berg zählt.

Ich war oben, ganz ehrlich, ich habe das Fahrrad die letzten Kilometer den Berg rauf tragen müssen, ein Glück ist es nicht ganz so schwer, das Fahrrad, das Laufen schon. Bei jedem Schritt bin ich durch das Extragewicht mindestens bis übers Knie im Tiefschnee versunken. Bei der, nennen wir es Abfahrt, bin ich einfach auf dem Hintern den Schnee runtergerutscht, wie Schlittenfahren, das Fahrrad auf dem Rücken. Mein Rücken und meine Schultern waren blau davon am Tag darauf.

Aber ich war da. Der Berg zählt. Ich habe dafür über 3 Stunden benötigt, aber das war mir am Ende völlig egal, irgendwie hat mich das fast an meine erste Fahrt Rat Penat rauf erinnert, nur das die um einiges schneller zu Ende war und ohne Schnee. Dafür aber auch irgendwie mit der gleiche Idee, ich muss da einfach hoch.

Am Ende fragt keiner, wie schnell du warst, aber ob du da gewesen bist, ist was wirklich zählt. Ich war jetzt am südlichsten Punkt von Deutschland, mit dem Fahrrad. Aus einem guten Grund, der für mich wichtig war, 100 Berge die es zu erobern gibt, ein weiterer Berg.

Eigentlich kam mir das Ganze auch gar nicht so lang vor, ich war ja im Prinzip die ganze Zeit mit dem beschäftigt was ich am liebsten mache, da bleibt die Zeit dann halt auch mal stehen.

Ich glaub der meistgesagte Satz den ich zu meiner Junioren Zeit gehört habe war: „Vorne gibt es Geld, hinten was mit der Peitsche“ (keine Sorge, das mit der Peitsche war nur so gesagt). Aber die Bedeutung war wohl mal jedem von uns klar. Eines Tages hat mich mein Trainer mal Seite genommen und gesagt, ich soll einmal anfangen mir Zeit zu lassen, das ist zwar ein Wettkampf auf Zeit, aber man kann sich auch mal Zeit lassen, das Ziel kommt schon, ich soll erstmal abwarten, nur so als Tipp. Ich hab gelacht, heute weiss ich was er damit meinte.

Ich habe dazu einen Podcast gehört in dem mein Coach Johannes Wunder, Steffen Kirchner interviewt über Persönlichkeitsentwicklung im Spitzensport geht. Eine sehr interessante Aussage darin ist folgendes Beispiel in Bezug auf Zeitinseln bei denen man mal wieder in sich selbst hineinhören sollte:

Das ist als wenn du das Navi im Auto einstellst und du willst nach Hamburg. Und ich will schneller sein als alle anderen. Dann kann ich das eingeben, ich kann dafür trainieren, ich kann lernen schneller zu fahren, den direktesten Weg zu finden, die Regeln zu brechen das mir auch keiner hinterherkommt und dann bin ich als erster in Hamburg.

Die Frage am Ende, wenn ich dann in Hamburg bin ist dann nur: was zum Teufel will ich denn in Hamburg?

Was passiert, wenn ich denn dort bin? Wem bringt dem denn das was ausser dir? Es geht nicht darum erster zu sein, Ziele sollten zu etwas dienen. Tausche Ziele gegen Erlebnisse.

Wenn ich heute davon erzähle, wie ich da rauf bin, zum Grenzstein, mit dem Fahrrad, ich freu mich immer noch. Ich bin in den Schnee gesprungen und habe Schneeengel gemacht, ich habe gelacht und mich gefreut, wie ein kleines Kind das zum ersten Mal einen Berg sieht. Soviel Freude, ganz einfach. Auch wenn es anstrengend und lange war. Ich freu mich einfach. Jedes Mal, wenn ich in den Bergen bin geht mir das Herz auf. Das ist wie nach Hause kommen für mich und das obwohl es für mich eigentlich nie einen Ort gab den ich wirklich jemals als Zuhause bezeichnet habe, ich hatte und habe Postanschriften, wie ich sie nenne.

Da wo meine Fahrräder stehen und mein Laufschuhe im Schrank sind. Aber wenn ich in den Bergen bin, fühl ich mich Zuhause, da tausche ich Ziele gegen Erlebnisse für mich und hoffentlich auch für andere. Wenn der Grund anzukommen stark genug ist, dann wird der Weg um einiges einfacher. Mein Grund, wieder einen Berg für die Kinder der Kinderstiftung Bodensee. Vielleicht sagt sich ja jetzt der ein oder andere er möchte auch mal rauf zum Grenzstein, mein Teamkollege hat schon gemeint jetzt muss er da auch mal hin mal sehen was es da so gibt am Haldenwanger Eck.

Was es für mich gab am Haldenwanger Eck, ein Lachen, mein Lachen, genau diese Lachen wofür mich meine Freunde kennen und das Strahlen in den Augen, dieser Berg war für Toosie, eine Freundin die immer sagt: „wenn ich die Berge sehe, dann denk ich immer an dich und daran wie deine Augen funkeln, wenn du hinaufsiehst, und das macht mich jedes Mal glücklich und dann muss ich lachen, weil du einfach verrückt bist.“

#cyclingforkids #radfahrenfürkinder #mountainsmatter

Altkönig und Kirchberg

Der Altkönig 798 m und damit der dritthöchste Berg im Taunus, erreicht habe ich ihn über Falkenstein über den Sattel vom Fuchstanz. Mit dem Rennrad ist das Bergplateau nicht zu erreichen, da es hier keine befestigte Strasse gibt auch mit meinem Gravelbike hatte ich hier doch auf den letzten Metern noch ganz schön zu kämpfen bis ich dann den Gipfel erreicht hatte und die Aussicht über den Taunus geniessen konnte.

Blick vom Altkönig

Das gesamte Gebiet um den Altkönig herum ist wunderschön zum Laufen, Wandern und Radfahren und meiner Meinung nach immer einen Ausflug wert.

Am folgenden Tag ging es dann in Richtung Bayern nach Freigericht über den Kirchberg und einen Abstecher nach Kirchberg, diese Runde kann man auch noch sehr schön erweitern mit einer Fahrt rauf zum Engländer, das wird sicherlich in der Zukunft auch noch folgen.

So konnte ich an einem Wochenende wieder 2 weitere Berge erobern und auf meine Liste hinzufügen. Neue Orte erkunden, Fahrrad fahren und was besonders wichtig ist Erinnerungen sammeln. Neues entdecken.

Als ich oben auf dem Altkönigplateau gesessen bin habe ich darüber nachgedacht, in der vergangenen Woche habe ich meine Umzugskartons ausgepackt und Sachen eingeräumt. Ich habe auch meine Pokale gefunden, die die ich noch habe, eine Schublade voll mit Medaillen und fast einen halben Schrank voll mit Rennshirt. Aber eigentlich ist das viel mehr. Es sind Erinnerungen. Grossartige Erinnerungen, nicht nur an die Tage oder den Moment sondern auch an den Weg dahin. An alles was ich dabei erlebt habe und vor allem erleben durfte. Es ist eigentlich so viel mehr als nur etwas was man in einen Karton oder Schublade packt. Es sind all die Stunden die darin stecken und die Momente. Alles was man mitnimmt auf dem Weg und über die Berge, was uns beeindruckt in welcher Weise auch immer.

Ich habe immer gedacht das es eigentlich nur Staubfänger sind, nicht das ich nicht stolz darauf bin, aber die Trophäe an sich ist halt nun mal ein Gegenstand, der halt dann auch einstaubt. Viele Jahre habe sie deswegen im Schrank verbracht. Bis ich erkannt habe das sie auch Erinnerungen sind. Ich hab sie aufgestellt und wenn ich heute an ihnen vorbei gehe dann erinnern sie mich, nicht an den Moment, in dem ich sie bekommen habe, sondern an das Rennen und die Momente. Ich erinnere mich auf einmal wieder daran wie ich auf dem Pyränen Pass stand, die Wolken unter mir und ich völlig überwältigt war das ich da oben bin. Ich habe auch eine schwarze Medaille aus Australien, bei dem Rennen habe ich mir einen Ermüdungsbruch zugezogen aber bis heute erinnere ich mich einfach an die wunderschönen Nächte im Outback und die Milchstrasse über meinem Kopf, der Sternenhimmel im Outback ist unbeschreiblich.

Man sammelt als Sportler nicht nur Trophäen, man sammelt Erinnerungen, unbeschreibliche, die wir in unserem Kopf haben oder in einem Karton, in Worte sind sie meist schwer zu fassen, weil jeder diese Momente anders erlebt und sie für jeden einzigartig sind.

Aber wir können versuchen es anderen Menschen auch zu ermöglichen ihre eigenen Erinnerungen zu sammeln oder sie mit uns gemeinsam zu erleben. Ich bin schon um Menorca gelaufen, die ganze Insel. Die Grenzmarkierung welche ich als Pokal erhalten habe steht jetzt in meiner Wohnung, das Geräusch der zuklappenden Tore beim Durchlaufen habe ich bis heute noch im Ohr. Und auch das überwältigende Gefühl des Sonnenaufganges bei dem man nichts anderes hört als das Meer und seinen eigenen Herzschlag. Da habe ich drüber nach gedacht oben auf dem Altkönig. Und ich habe mich gefreut, in diesem Jahr habe ich wieder einen Startplatz für diesen Lauf, aber ich werde ihn dieses Jahr nicht alleine laufen sondern in einem Team und dazu in einem ganz besonderen mit Menschen die mich immer unterstützt haben und ich freue mich schon so sehr mit ihnen zu laufen. Einer dieser Menschen ist hat mich wieder an die Startlinie für einen Halbmarathon gebracht. Und als ich meinen ersten 100 Kilometer Lauf vor mir hatte und mir mein Herz in die Hose gerutscht ist da habe ich folgende Nachricht erhalten: „weisst du was, immer wenn mir jemand sagt, das ist unmöglich, denn sage ich, ich kenne da jemanden, der könnte das. Und das bist du Stella. Weil ganz ehrlich ich glaub einfach es gibt nichts auf der Welt was du nicht schaffen kannst.“ Seit diesem Tag trage ich ein Armband, ich frag mich allerdings noch aus was für Garn das gemacht worden ist, denn es hält immer noch. Ich habe es nie abgenommen und es erinnert mich immer an diese Worte.

Leider bin ich im Worte finden nicht immer so gut, oft zu direkt, das kommt dann so aus mir raus. Aber ich freue mich auf diesen Lauf, weil bei genau diesem Lauf mir mal jemand ganz viel Hoffnung zurückgegeben hat. Einfach so. Ich hoffe das kann ich auch, vielleicht nicht immer mit dem was ich sage, aber vielleicht mit dem was ich mache.

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Grosser Feldberg (Berg 3)

Der Grosse Feldberg ist mit einer Höhe von 881 Metern der höchste Berg im Taunus und das Zentrum des Taunus-Hauptkammes. Bereits den letzten Kilometer vor der Ankunft kann man den 1937 errichteten Fernmeldeturm sehen. Zu erreichen ist er sowohl über seine Süd- als auch über die Nordseite mit einer Länge von circa jeweils 12 Kilometern.

Blick hinter dem Teufelsquartier

Die letzte grosse Kurve ist das „Teufelsquartier“ der Brunhildisfelsen, einer Sage nach soll Brünhild, eine kriegerische Königin aus dem Norden, an diesem Ort in Schlaf versetzt worden sein, die Bezeichnung Teufelsquartier kommt allerdings von dem dort in der Antike errichteten Steinturm am Nordhang des Berges.

Den Feldberg hab ich somit erstmal zu meinem offiziellen Hausberg erklärt. Bei meiner ersten Fahrt habe ich auch gleich eine nette Gruppe Radfahrer getroffen die mich begleitet haben und denen ich von den 100 Bergen erzählen konnte. Hausberge sind wichtig, da kann man mal denken, oder auch mal nicht. Einfach mal zum Cafe rauf fahren und die Welt vergessen. Hausberge sind geduldig und sie kennen viele Geschichten über uns. Und wir über die Hausberge. Sie sind geduldig, wie alle Berge. Lange Zeit war der Tibidabo sowas wie mein Hausberg, wenn auch mit etwas weniger Höhenmetern als der Feldberg, aber schon so etwas wie mein Zweitwohnsitz, wie meine Freunde sagten, oder eher Erstwohnsitz, denn meist fand man mich eben dort.

„Du musst einfach nur hochfahren“ das hat mein Fahrradfreund immer gesagt, als ich noch völlig verzweifelt nie daran geglaubt hab das ich jemals auch nur irgendeinen Berg hochfahren werde. Wenn ich ganz ehrlich bin musste ich am Anfang schon vor einer Autobahnbrücke kapitulieren. Meine Beine wollten einfach nicht mehr. Der Anfang ist schwer, vor allem, wenn man wieder aufstehen muss. Wenn es nicht funktioniert so wie man es gewohnt ist. Ich wusste einfach keine Lösung, ich wusste nur, dass das ganze früher eigentlich gar nicht so schlimm war und heute nicht mehr funktionierte.

„Aber du läufst ja auch einfach den Berg rauf, also fahr einfach, Berge sind geduldig. Und weglaufen tun sie auch nicht“. Fahr einfach. Das hab ich mir zu Herzen genommen, beim Laufen lernen schon. Lauf einfach. Der entscheidene Punkt ist nämlich, wenn du dich entscheidest zu fahren dann hast du den Anfang schon gemacht. Wichtig ist die Entscheidung zu treffen loszufahren oder zu laufen, manchmal dauert es etwas länger, aber wenn man gar nicht erst anfängt, dann kann man auch nicht ankommen.

Gipfelkreuz Grosser Feldberg

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, manchmal haben wir vielleicht nur eine ganz geringe Chance, machmal verschwindend gering. Als ich wieder laufen wollte habe ich meinen Arzt gefragt wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist das ich es schaffe, 10% war die Antwort, wenn wir optimistisch sind. Die Wahrscheinlichkeit das die Knochen unter der Belastung einfach wieder brechen war um einiges höher. Aber es waren die 10% an die ich geglaubt habe und mich dazu bewegt habe es zu versuchen. Und in dem Moment erschienen sie mir als eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit. 10% und ich hab mein Herz in die Hand genommen und bin losgelaufen. Und genau das brauchte ich in dem Moment, das ich einfach loslaufe beziehungsweise losfahre. Die Entscheidung zu treffen es zu versuchen ist einer der wichtigsten Schritte am Berg und im Leben.

Meine Hausberge (ich hab da ein paar von) sind sehr geduldig, das muss man auch sein mit mir. Und ich weiss das zu schätzen. Viele Geschichten liegen hier, Schweiss, Tränen, Lachen und unzählige Stunden mit Freunden und mir selbst, irgendwann kennt man sie, das hat mir mein Trainingskollege schon immer gesagt, du weisst wo du trinkst, wo du schaltest, wie du wann wo atmest, wann dein Herz schlägst, du musst Morgens nichtmal mehr wach werden, das reicht wenn du wach bist, wenn du oben angekommen bist. Viele Male haben wir genau das getan, bis ich genau das wieder konnte. Seelenruhig begleitet mit einer Ruhe die man glaube ich am Berg lernt oder lernen muss. Man trifft an ihnen viele Menschen, sich selbst auch wenn man geduldig ist oder wird, einige früh morgens bei Sonnenaufgang, wenn die Welt noch schläft. Das sind meist die schönsten Stunden die uns die Hausberge erleben lassen, wenn die Sonne aufgeht und man weiss das es so einfach ist, man muss nur hochfahren.

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Hesselberg (1) und Burg Eppstein (2)

Über Ziele und Ziellinien

Am Samstag bin ich den Hesselberg hochgefahren, mit 518 Metern der höchste Berg des östlichen Hintertaunus, ich hätte vielleicht den Hinweis von Komoot ernster nehmen sollen, das es sich hier auf dem letzten Stück der Strecke um eine Gravel beziehungsweise Mountainbikestrecke handelt. Hab ich aber nicht und von daher mein Rennrad genommen. Hinterher ist man meistens schlauer.

Da stand ich nun im Schnee und Matsch, ohne Strasse mit Rennrad und noch Kilometer vom Ziel entfernt, aber der Berg zählt nur, wenn man ganz oben ist. Von daher war laufen angesagt, das Fahrrad auf der Schulter, die Füsse bis über die Knöchel im Matsch, erfreute Wanderergesichter gab es gratis dazu mit dem netten Hinweis dass das eventuell das falsche Fahrrad ist, da musste ich dann auch über mich selbst lachen. Was solls Ziel erreicht.

Für den nächsten Tag war ich besser vorbereitet, oder besser gesagt, ich hab mir die Streckenempfehlung zu Herzen genommen. Ausserdem hatte ich Begleitung von meinem Teamkollegen. Wir hatten uns verabredet zur Burg Eppstein zu fahren. Allerdings gab es da leider ein kleines Missverständnis was die Startzeit und Treffpunkt anging. Ich sass also noch mit dem Cafe auf meiner Coach als ich die Nachricht bekam, das mein Bikebuddy bereits am Bahnhof stand und auf mich wartete. Bei Regen, an einem kalten Sonntagmorgen. Und ich noch 25 Kilometer entfernt vom Treffpunkt. Ich bat ihn darum sonst einfach schon ohne mich zu fahren, wir hatten uns da wirklich falsch verstanden und ich wollte nicht das er so lange auf mich warten musste, vor allem nicht bei dem Wetter.

Aber, seine einzige Antwort war: mach dir keine Sorge, ich warte hier auf dich. Ich würd halt viel lieber mit dir zusammen darauf fahren. Für die 100 Berge und weil wir ja ein Team sind (und ich (Stella) eine Katastrophe manchmal).

Mich hat das auf dem Heimweg zum Nachdenken gebracht. Wenn da jemand ist der wartet, das bewegt nochmal etwas in uns (nicht zwangsläufig wenn es darum geht das man zu spät ist, sei an dieser Stelle angemerkt). Weil es ist nicht nur das Ziel, welches es örtlich zu erreichen gilt geht, sondern im Prinzip ist es viel mehr das Ziel nach dem Ziel. Es sind auch oft die Menschen, die auf uns warten, die so etwas nochmal besonders machen. Ziele sind oft nur Teilerfolge, vor allem auch Ziellinien, und da kenne ich mich mit aus, mit Ziellinien, behaupte ich zumindest.

In meiner ersten Ultralaufsaison hatte ich einen Rennkalender, aber keine besonderen Rennen, wo das eine wichtiger als das andere war. Ich habe die Saison mit dem Ziel gestartet 1000 Kilometer in Wettkämpfen zu laufen. Das war die grosse Zahl die ich erreichen wollte. Ich wollte nicht gewinnen, ich wollte 1000 Kilometer laufen. Warum 1000, weil ich mal mit einem Kilometer angefangen habe zu laufen, auf den ich bis heute stolz bin. Vor jedem Rennen in diesem Jahr hat mir ein Freund immer gesagt „wenn du im Ziel bist schreibst du mir eine Nachricht, ich warte darauf, und du kommst ins Ziel“. Das hab ich getan, jedes Mal, egal wie es mir ging. Ich hab es vor jedem Start versprochen und ich habe es jedes Mal gehalten.

Der letzte Lauf in dem Jahr war der Ultra Ibiza, nach Ibiza sind Freunde von mir mitgekommen, der erste Start ist Freitag ein Nachtlauf mit 12 Kilometer, am Samstag geht es dann um 5 Uhr Morgens weiter 88 Kilometer mit 4000 Höhenmeter über die Insel gefolgt von 10 Kilometer am Sonntagmorgen in der Altstadt von Ibiza. Ich habe so gelitten. Meine Beine hatten in der Saison schon über 5000 Trainingskilometer und die knapp 900 Wettkampfkilometer, von Mailand nach Rom bin ich in dem Jahr auch mit dem Fahrrad gefahren in 4 Tagen, es war Dezember und ich ganz dicht dran 3 Tage nonstop durchzuschlafen.

Ich bin am Samstag 1 Stunde nach dem Start auf den Klippen vor der Vedra gestürzt und habe mir das Knie aufgeschlagen, auf den letzten 12 Kilometer habe ich mich dreimal verlaufen und als ich auf dem letzten Felsen stand war mein Wasser leer. Es war dunkel, kalt und es hat geregnet, aber ich bin weiter gelaufen, bis ins Ziel und ich wusste das ich ein paar Stunden später wieder an der Startlinie stehen musste. Was ich auch wusste war aber, das eine Freundin von mir Pompoms gekauft hatte, weil sie gesagt, wenn ich wirklich die 1000 Kilometer schaffe, dann steht sie im Ziel und macht sich vor allen Leuten zum Idioten, mit Pompoms und schreit meinen Namen als Dankeschön, weil ich so vielen Menschen Mut gemacht habe das ganze Jahr über, mit ihnen trainiert habe und immer ein gutes Wort hatte, wenn es anderen mal nicht gut ging.

Am Sonntag bin ich über die Ziellinie gelaufen. Meine Freunde standen da und als ich oben an der Nekropolis der Altstadt von Ibiza zu sehen war konnte ich sie schon schreien hören. Wirklich schreien. Und hüpfen, mit Pompoms. Bergablaufen tut weh mit müden Beine, wenn man mich heute fragt, ich kann mich an keine Schmerzen mehr erinnern. Aber daran das mich Menschen in den Arm genommen haben mit Tränen in den Augen. Wir wussten zu dem Zeitpunkt nicht einmal das ich gewonnen habe. Aber ich hatte die 1000 Kilometer erreicht, etwas was in uns allen vieles bewegt hat in diesem Jahr. Mich haben in diesem Jahr diese Menschen dazu gebracht über mich hinauszuwachsen und ans Ziel zu kommen. Durch die kalte Nacht von Ibiza, mit einem Knie angeschwollen wie ein Luftballon, aber einem Willen der nur eine Richtung kannte.

Von dem Lauf habe ich nichts mehr, kein Finisher-shirt, keine Trophäe sogar meinen Lifebag habe ich verschenkt an die Menschen die mich begleitet haben. Was ich noch habe sind die Pompoms und die Erinnerung wie ich auf dem Berg stand und auf die Stadt sehe und weiss das ich dahin muss, weil es wichtig ist, weil ich versprochen habe das ich ankomme und Bescheid sage, weil diese 1000 Kilometer, die für mich eine Zahl und ein Ziel waren für andere Menschen sehr viel bedeutet habe. Weil sie ihnen Hoffnung gegeben hat. Das Ziel ist nie die Ziellinie, das Ziel ist die Bedeutung dahinter und was sie bewirkt. Wir können vieles erreichen wenn wir über das offensichtliche Ziel hinaussehen und gehen.

100 Berge – Ich hätte am Samstag auch einfach nur bis zum Ende der Strasse fahren können, aber dann wäre ich nicht oben auf dem Berg gewesen, ich hätte das Ziel nicht erreicht, aber jeder Berg zählt bei 100 Berge, nicht als Ziellinie oder Erfolg, sondern wegen der Idee dahinter. Also bin ich den ungemütlichen Weg gegangen und habe am Ende sogar über mich selbst gelacht. Der erste Berg. Neue Cleats brauch ich jetzt, die sind völlig hinüber.

Am Sonntag hätte ich auch einfach zuhause bleiben können, bei schlechtem Wetter, viel zu spät, aber mein Teamkollege hat auf mich gewartet. Der Berg zählt quasi doppelt. Er hat mich daran erinnert wie wichtig es manchmal ist, wenn da jemand ist der an das glaubt was du da tust und der das gleiche Ziel verfolgt. Nicht weil es einfach ist, oder etwas Besonderes, sondern weil wir es zusammen geschafft haben. Ganz ohne richtige Ziellinie sind wir und bin ich dem Ziel wieder ein Stück näher gekommen. Ich habe etwas gemacht was ich gern mache, ich habe Menschen getroffen und gelacht (auch über mich), ich habe mein Training für etwas sinnvolles genutzt und ich habe wieder erzählt, über das Radfahren, das Laufen, die Berge und das was mich bewegt. Den Berg hinauf #100Berge

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