Haldenwanger Eck – Grenzstein 147

Haldenwanger Eck 1931 m. ü. NHN, am Grenzstein 147 liegt die südlichste Stelle Deutschlands.

Da war ich, am Samstag. Im Prinzip hat mich mein neuer Teamkollege da rauf geschickt, Danke dafür, ich bin die Neue… Und um die Frage zu beantworten was es so in Einödsbach auf dem Weg dorthinauf gibt, einen Gasthof, der geschlossen war, Kirchen und in der Enzianhütte die höchstgelegenste Minibrauerei Europas. Ansonsten gab es am Samstag dort niemanden. Schnee dafür viel, Handyempfang auch herzlich wenig. Und das Mädchen mit dem Fahrrad und den Laufschuhe, wohlwissend.

100 Berge mit dem Rad, wie ist egal, aber oben ankommen ein Muss, damit der Berg zählt.

Ich war oben, ganz ehrlich, ich habe das Fahrrad die letzten Kilometer den Berg rauf tragen müssen, ein Glück ist es nicht ganz so schwer, das Fahrrad, das Laufen schon. Bei jedem Schritt bin ich durch das Extragewicht mindestens bis übers Knie im Tiefschnee versunken. Bei der, nennen wir es Abfahrt, bin ich einfach auf dem Hintern den Schnee runtergerutscht, wie Schlittenfahren, das Fahrrad auf dem Rücken. Mein Rücken und meine Schultern waren blau davon am Tag darauf.

Aber ich war da. Der Berg zählt. Ich habe dafür über 3 Stunden benötigt, aber das war mir am Ende völlig egal, irgendwie hat mich das fast an meine erste Fahrt Rat Penat rauf erinnert, nur das die um einiges schneller zu Ende war und ohne Schnee. Dafür aber auch irgendwie mit der gleiche Idee, ich muss da einfach hoch.

Am Ende fragt keiner, wie schnell du warst, aber ob du da gewesen bist, ist was wirklich zählt. Ich war jetzt am südlichsten Punkt von Deutschland, mit dem Fahrrad. Aus einem guten Grund, der für mich wichtig war, 100 Berge die es zu erobern gibt, ein weiterer Berg.

Eigentlich kam mir das Ganze auch gar nicht so lang vor, ich war ja im Prinzip die ganze Zeit mit dem beschäftigt was ich am liebsten mache, da bleibt die Zeit dann halt auch mal stehen.

Ich glaub der meistgesagte Satz den ich zu meiner Junioren Zeit gehört habe war: „Vorne gibt es Geld, hinten was mit der Peitsche“ (keine Sorge, das mit der Peitsche war nur so gesagt). Aber die Bedeutung war wohl mal jedem von uns klar. Eines Tages hat mich mein Trainer mal Seite genommen und gesagt, ich soll einmal anfangen mir Zeit zu lassen, das ist zwar ein Wettkampf auf Zeit, aber man kann sich auch mal Zeit lassen, das Ziel kommt schon, ich soll erstmal abwarten, nur so als Tipp. Ich hab gelacht, heute weiss ich was er damit meinte.

Ich habe dazu einen Podcast gehört in dem mein Coach Johannes Wunder, Steffen Kirchner interviewt über Persönlichkeitsentwicklung im Spitzensport geht. Eine sehr interessante Aussage darin ist folgendes Beispiel in Bezug auf Zeitinseln bei denen man mal wieder in sich selbst hineinhören sollte:

Das ist als wenn du das Navi im Auto einstellst und du willst nach Hamburg. Und ich will schneller sein als alle anderen. Dann kann ich das eingeben, ich kann dafür trainieren, ich kann lernen schneller zu fahren, den direktesten Weg zu finden, die Regeln zu brechen das mir auch keiner hinterherkommt und dann bin ich als erster in Hamburg.

Die Frage am Ende, wenn ich dann in Hamburg bin ist dann nur: was zum Teufel will ich denn in Hamburg?

Was passiert, wenn ich denn dort bin? Wem bringt dem denn das was ausser dir? Es geht nicht darum erster zu sein, Ziele sollten zu etwas dienen. Tausche Ziele gegen Erlebnisse.

Wenn ich heute davon erzähle, wie ich da rauf bin, zum Grenzstein, mit dem Fahrrad, ich freu mich immer noch. Ich bin in den Schnee gesprungen und habe Schneeengel gemacht, ich habe gelacht und mich gefreut, wie ein kleines Kind das zum ersten Mal einen Berg sieht. Soviel Freude, ganz einfach. Auch wenn es anstrengend und lange war. Ich freu mich einfach. Jedes Mal, wenn ich in den Bergen bin geht mir das Herz auf. Das ist wie nach Hause kommen für mich und das obwohl es für mich eigentlich nie einen Ort gab den ich wirklich jemals als Zuhause bezeichnet habe, ich hatte und habe Postanschriften, wie ich sie nenne.

Da wo meine Fahrräder stehen und mein Laufschuhe im Schrank sind. Aber wenn ich in den Bergen bin, fühl ich mich Zuhause, da tausche ich Ziele gegen Erlebnisse für mich und hoffentlich auch für andere. Wenn der Grund anzukommen stark genug ist, dann wird der Weg um einiges einfacher. Mein Grund, wieder einen Berg für die Kinder der Kinderstiftung Bodensee. Vielleicht sagt sich ja jetzt der ein oder andere er möchte auch mal rauf zum Grenzstein, mein Teamkollege hat schon gemeint jetzt muss er da auch mal hin mal sehen was es da so gibt am Haldenwanger Eck.

Was es für mich gab am Haldenwanger Eck, ein Lachen, mein Lachen, genau diese Lachen wofür mich meine Freunde kennen und das Strahlen in den Augen, dieser Berg war für Toosie, eine Freundin die immer sagt: „wenn ich die Berge sehe, dann denk ich immer an dich und daran wie deine Augen funkeln, wenn du hinaufsiehst, und das macht mich jedes Mal glücklich und dann muss ich lachen, weil du einfach verrückt bist.“

#cyclingforkids #radfahrenfürkinder #mountainsmatter

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