Cami de Cavalls – Menorca – vive la leyenda

Das ist das Motto von dem legendären Rundweg um die Insel Menorca, dem Cami de Cavalls „vive la leyenda“ lebe die Legende. Denn jeder der hier einmal die Ziellinie überquert der ist nach vielen Aussagen genau das, eine Legende. In diesem Blog geht es also nicht um einen Berg, sondern um eine wunderbare Landschaft, die allerdings den ein oder anderen Berg auf ihrem Weg beinhaltet. Aufgezählt habe ich diese nicht, das sind zuviele.

Wir Ultraläufer nennen diesen Lauf einen „rompe piernas“ – einen Beinbrecher, nicht weil es einen grossen Berg hinauf geht, sondern weil es während der Runde um die Insel zumindest an der Nordhälfte beständig bergauf und bergab geht, viele kleine Berge die an den Beinen zerren, auf der Südeseite geht es dann immer wieder in die Buchten hinunter, durch Strandsand und über steinige schmale Pfade. Dieser Lauf ist eine Legende so wie auch der Cami de Cavalls auf dem man 185 Kilometer unterwegs ist.

Die Streckenmarkierung entlang des Cami de Cavalls

Da war ich, vor gut zwei Wochen, zum dritten Mal. Auf dieser Insel bin ich meinen ersten 100 Kilometerlauf gelaufen und auch die 185 Kilometer um die Insel haben meine Beine mich schon entlang getragen. Dieses Mal hatte ich wieder einen Startplatz für die 185 Kilometer, aber einen ganz besonderen. In diesem Jahr bin ich auf die Insel gekommen mit 3 Freunden, die in den letzten Jahren mir immer wieder zugesprochen haben und ohne die ich sicherlich weitaus weniger gelacht hätte.

Wenn ich gefragt werde wie es ist um die Insel zu laufen, dann könnte ich darüber stundenlang reden, ich könnte euch alles erzählen, aber das wahre Gefühl was man dabei erlebt, das kann man nur selbst erleben. Zu dieser Aussage komme ich immer wieder, wenn mich Menschen über diese Läufe befragen. Und genau dieses Gefühl durfte ich dieses Jahr mit ein paar grossartigen Menschen teilen.

Als Team unschlagbar – better together war unser Motto

Meine ganz persönliche Geschichte zum Cami de Cavalls ist schon drei Jahre her, als ich zum ersten Mal auf diese Insel kam um mich auf den Weg zu machen.

10 Tage zuvor bin ich mit dem Fahrrad zum Training rausgefahren, am Ortsausgang wurde ich von einem Auto überfahren, der Fahrer hatte mich nicht gesehen als er auf die Strasse wollte und hatte mich komplett erwischt. Mein Rennrad lag auf der anderen Fahrbahnseite im Strassengraben und ich war einmal über die Motorhaube geflogen und lag auf dem Seitenstreifen. Alle Menschen um mich herum schrien und ich habe nur das Blut um mich herum auf der Strasse gesehen. „Beweg dich nicht“ war das einzige was sie alle zu mir sagten.

Mit dem Rettungswagen bin ich in die Notaufnahme gefahren worden. Ein paar Stunden später hatte ich einen verklebten Ellenbogen und ziemlich viel Faden in meiner rechten Körperhälfte. Mein Körper war grün, blau, blutig und voller Prellungen. Aber ich hatte keine Brüche. Ich hatte Glück. Wahnsinns Glück und in meinem Kopf nur den Gedanken, das ich eine Woche später einen der wichtigsten Läufe überhaupt in diesem Jahr hatte. Den Cami de Cavalls, meine ersten 100 Kilometer. Nach Rücksprache mit meinem Arzt und meinem Trainer bekam ich das okay nach zwei Tagen mit dem Training wieder weiterzumachen, aber ohne Schmerztabletten, ich durfte starten, allerdings waren alle wenig optimistisch das ich die 100 Kilometer schaffen werde, geschweige denn ein zufriedenstellendes Ergebnis abliefern würde. Ich wollte es trotzdem versuchen, dieser Lauf war so in meinem Kopf drin.

Ich zog mir zwei Tage später die Laufschuhe an. Und versuchte ein bisschen zu trainieren. Als ich zurückkam, standen meine Koffer gepackt vor der Tür. Was ich in dem Moment noch hatte, waren ein geschundener Körper, vom Auto überfahren, ein Fahrrad, ein Flugticket nach Menorca und ein Rennen was ich versuchen wollte zu laufen.

Ich habe im Auto geschlafen mit meinen Sachen, konnte dann bei einem Freund auf die Coach ziehen und bin dann wie geplant nach Menorca geflogen. Am Flughafen noch habe ich einer Freundin geschrieben, das 100 Kilometer mir auf einmal so gross vorkommen, dass ich nicht weiss ob das richtig ist, was ich hier gerade mache. Aber das ich laufen will, ich will es versuchen.

Fertig für den Nachtstart

Der Start war Freitag Nacht, kurz vor Mitternacht. 5 Minuten zuvor habe ich eine Nachricht bekommen: „Happy running. Freak“ und ich musste lachen. Jedes Mal, wenn ich ihr von meinem Training erzählte sagte sie nur „Du Freak“. Und dann lief ich los. In die Nacht hinein und auf einmal hatte mich die Legende vom Cami de Cavalls fest im Griff. Kurz vor Sonnenaufgang lief ich auf den Klippen von Arenal d’en Castell. Ich stolperte und fiel hin. Mein Kopf schlug auf den Steinen auf. Und ich dachte nur, ein Glück bin ich auf die linke Seite gestürzt, die rechte sieht ja schon schlimm genug aus von dem Autounfall. Am nächsten Checkpoint musste ich mich im Sanitäterzelt 30 Minuten verarzten lassen, bekam Blutstiller in meine aufgeplatzte Stirn. Ob ich weiterlaufen wollte? Fragten sie. Ich war fest entschlossen. Ich laufe weiter. Ich will nach Ciutadella. Wenn ich ganz ehrlich bin, an viel mehr von dem Lauf erinnere ich mich nicht mehr. Nur noch das es lang war und das ich bei Kilometer 80 eine Nachricht bekam: das ist nur noch ein Halbmarathon. Nur noch…. Ich glaub das war fast der längste Halbmarathon in meinem Leben, ganz abgesehen das der letzte Kilometer auch der längste Kilometer in meinem Leben war. Und dann war sie da, die Ziellinie. Ich war da.

Zieleinlauf Ciutadella 2018

Und ich lief gleich durch zum Erstehilfezelt mit den folgenden Worten zu den Sanitätern: „ich wollte mir eigentlich ein Cami de Cavalls Tattoo machen lassen, aber ich glaub ich hab da was auf der Stirn was dem sehr nahe kommen wird, könntet ihr das bitte einmal nähen?“ Die sahen mich von oben bis unten an, dann sagte einer: du weisst schon das du den zweiten Platz gemacht hast oder?

Nee, wusste ich nicht, war mir in dem Moment auch egal, oder auch nicht, oder ich hab es nicht realisiert. Ich wollte endlich meine Stirn genäht haben. 3 Stunden später sass ich im Flieger. Ich war 100 Kilometer gelaufen, auch wenn alles so aussah als wenn ich das nicht schaffen würde. Ich erinnere mich bis heute an das Geräusch der Weidetore, die man durchläuft, über 100 sind es, ein Geräusch was nie wieder aus meinem Gedächtnis verschwindet, genauso wie der Wind. Und die Legende des Pferdeweges von Menorca, die einen begleitet auf dem Weg, still und leise. Eine Narbe habe ich im Gesicht, die für immer von dieser Nacht erzählen wird. In der ich meinen ganzen Wille zusammen nahm und mir ein Herz fasste dieses Rennen zu Ende zu laufen.

Im letzten Jahr war ich wieder dort. Bin einmal um die ganze Insel gelaufen. Die Weidetore haben sich noch genauso angehört wie bei meinem ersten Lauf.

Als ich wusste das ich in diesem Jahr wieder einen Startplatz für die 185 Kilometer habe entschloss ich mich meine Freunde zu fragen ob sie mitkommen, mit mir auf den Cami de Cavalls. Aus einem ganz einfachen Grund: Ich werde niemals die richtigen Worte finden können um mich bei ihnen zu bedanken, für das was sie für mich getan haben in den letzten Jahren, und ich glaube diese Worte gibt es auch nicht. Aber ich hoffe, dass diese Tage auf Menorca, die Erinnerungen die ihnen davon bleiben, von dem Cami de Cavalls, dass genau das ein bisschen erklären kann, wie dankbar ich ihnen bin. Der Freak, die Fledermaus, die durch die Berge flattert und glücklich ist. Happy running. Freak.

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