Natrun – Österreichische Meisterschaften Maria Alm

Ich bin den Natrun hinaufgelaufen, von der Maria Alm. Fünfmal, um genau zu sein Fünfeinhalbmal, dann war die Zeit um. Warum man sowas macht? Jeder Berg zählt ja nur einmal…

Ja, könnte ich mich jetzt auch fragen. Aber die Aussicht vom Prinzensee zum Hochkönig hinüber ist einfach wunderschön. Das darf mir jeder gerne glaube. Zum Natrun führt auch eine Seilbahn hinauf. Auch schön, dachte ich mir, als ich das dritte Mal hinauf bin. Einen schönen Bike Park gibt es da auch, warum fahr ich eigentlich nicht Mountainbike anstatt hier mit einer Wand ein auf’s andere Mal bergauf und bergab zu leiden, dachte ich mir das vierte Mal. Und jetzt noch Gewitter, ungünstig am Berg, dachte ich mir beim fünften Mal. Aber, es war Österreichische Trail Meisterschaft und ich war dabei. Den Berg hinauf und herunter. Die Erste Meisterschaft seit…., ja, seit einer Ewigkeit. Und ich habe mich gefreut, am Start, am Berg, am Ziel. 2250 Höhenmeter auf 33 Kilometer. Das sind die Zahlen.

Der Weg: Maria Alm – Natrun, kann ich nur empfehlen.

Und das Thema was mir dieser Weg mitgegeben hat und auch der Wahlspruch der Österreichischen Meisterschaften war: Sieger geben niemals auf.

Mit viel Freude, aber auch Respekt stand ich dort am Start, ganz klein, so wie früher. Aufgeregt wie immer. Die Startnummer auf der linken Hüfte, immer an der rechten Startseite, auch das wird sich niemals ändern, wenn ich mir einen Startplatz aussuchen kann.

Ein Freund von mir hatte ein Spiel mit seiner Mannschaft, das sie verloren haben. Auch das gehört dazu. Verlieren, wo es Sieger gibt, gibt es auch immer jemanden der verliert. Ich kenne das Gefühl, ich konnte immer ausflippen, beleidigt sein und mir alles vorwerfen was mir an solchen Tagen nur einfiel. Unausstehlich war ich früher, an diesen Tagen. Aber ich habe daraus in der Vergangenheit auch etwas gelernt, einer meiner Trainier hat immer zu mir gesagt, wenn ich mal das Training nicht so ernst genommen habe: Nichts ist so alt wie dein Erfolg von gestern. Da gibt es keine Ferien, du wirst immer an deiner Performance gemessen werden, und wenn sie heute schlecht ist, dann ist sie schlecht.

Das sind harte Worte, diese richtig zu aufzunehmen musste auch ich erstmal lernen. Was er damit eigentlich sagen wollte war aber nicht, das ich jeden Tag meine Topperformance ablegen sollte, aber das ich ein guter Athlet sein soll. Und das bedeutet nicht den Kopf in den Sand zu stecken sondern weiterzumachen. Tapfer zu sein, egal ob du gewonnen hast oder verloren. Den Sport den du machst zu lieben und genau dafür weiterzumachen.

Gewinnen können wir alle, nichts ist einfacher als eine Trophäe in die Hand zu nehmen und sich feiern zu lassen, allerdings sollte man dabei nie vergessen dankbar zu sein, das ist der Punkt wo es schwer wird, demütig. Aber man wird niemals aus einem Sieg lernen, weil ein Sieg ist neben einer guten Performance und dem zusammenkommen vieler weiterer Faktoren ein Endergebnis. Eine Niederlage, davon können wir lernen, davon sollen wir lernen. Davon werden wir gute Sportler. Und vor allem danach wieder aufzustehen und weiterzumachen, etwas mitzunehmen und sich wieder ein Herz zu fassen.

„Das ist einfach zu sagen, wenn man so viel gewonnen hat wie du“ wurde mir einmal gesagt. Und diese Aussage nehme ich auch an. Für mich allerdings sind die wahren Helden, diejenigen die wieder aufstehen und nicht aufgeben. Das sind für mich die wahren Sieger. 

Ich war immer fixiert auf Perfektion. Ich weiss noch bis heute wie mein Herz geschlagen hat, als ich das erste Mal im Bundesleistungszentrum in der Halle stand und die Olympischen Ringe gesehen habe. Zum Greifen nah und ganz echt.

Aber Perfektion ist nicht immer alles. Bis heute weiss ich auch noch wie ich nach meinem Unfall im Krankenhaus lag und mir gesagt wurde, das es nicht gut aussieht. Das mein Bein eventuell nicht mehr zu retten ist. Der Arzt der mich damals operierte, war an diesem Tag alles andere als ein Perfektionist in dem Sinne das er mir ein perfektes Bein zurückgeben würde. Aber so wie er sagte: sie sind ein junger Mensch und sie bekommen eine Chance. Und genau das war es was er mir an diesem Tag gegeben hat. Eine Chance, keine perfekte, aber nach der Operation hatte ich noch zwei Beine und die Chance wieder normal gehen zu können.

Einen Scherbenhaufen an zerschlagenen Träumen auch, den gab es gratis dazu. Und eine Probe an mich selbst, das weiss ich heute. Die Probe ob ich ein guter Athlet bin. Wenn ich über die Jahre zurückschauen haben mich viele Menschen beeindruckt. Und diese haben nicht immer oben auf dem Podium gestanden. Sondern ganz oft auch einmal daneben. Menschen, die ihren Sport geliebt haben, das geht von laufen, Bergsteigen bis zu Ping Pong. Die nicht aufgegeben haben und diese haben mich beeindruckt. Nichts desto trotz wollte ich selbst als ich wieder an der Startlinie stand meine Geschichte erzählen. Ich wollte nie das mich jemand darauf beschränkt was mir passiert ist, aber auch das gehört dazu, wenn man ein guter Athlet ist, das habe ich gelernt die letzten Monate. Ich habe eine Chance bekommen und vor allem, ich habe sie genutzt. Das wichtigste Rennen in meinem ganzen Leben hat an dem Tag angefangen an dem ich mich entschlossen habe wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Ich würde über mich nie sagen das ich ein Held bin, so wie es andere Sportler für mich waren. Aber ich hoffe das ich ein guter Sportler bin. Wenn ich laufe, habe ich heute eine Laufanomalie in meinem rechten Bein. Das wird immer so bleiben und jeder Schritt erzählt somit einen Teil meiner Geschichte, die dazugehört, zum Sportlerleben und zu einer Chance die ich genutzt habe.

Da wieder Wettkampfsaison ist, hier auch noch das Ergebnis. In der Gesamtwertung wurde ich Vierte. Die Altersklasse habe ich gewonnen. Sieger geben niemals auf.

Meine Beine sind müde heute – aber morgen bin ich wieder am Berg. Für den Sport und für die Berge.

100 Berge.

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