Cerro de las Cabras und all die anderen Berge – Al Andalus Ultra Trail

“Das Schwierigste am Ultra laufen ist es wieder nach Hause zu kommen” diesen Satz hat Andrei einer meiner Freunde einmal gesagt, und ich glaube viele von uns können das bestätigen, warum das so ist kann keiner wirklich beschreiben, vielleicht weil ein Teil von uns immer dort draussen Zuhause sein wird, weil man so viel dort lässt aber auch so viel von dort wieder mitnimmt.

Tage 3 Zieleinlauf

Von daher hat es etwas gedauert, bis ich wieder schreiben konnte, wollte oder wie auch immer. 234 Kilometer liegen hinter mir, fast 6000 Höhenmeter bergauf und dann folgerichtig auch wieder herunter, 15 Liter Wasser am Tag im Schnitt habe ich getrunken, das ganze bei Temperaturen um die 40 Grad im Schatten, den hatten wir während des Laufens allerdings sehr selten, Schatten. Und Nächte im Zelt, auf dem Fussboden schlafend und mit der Taschenlampe Frühstück beziehungsweise Kaffee machend. 24 Stunden draussen, 5 Tage am Stück ohne ein Dach über dem Kopf. Viele sagen das ist der Wahnsinn, und ich kann das nur bestätigen, genau das ist es auch. Aber so gerne auch viele Drama Geschichten hören, genau eben die gibt es hier nicht, zumindest werde ich sie nicht erzählen, denn was ich hatte war der Wahnsinn, aber im positiven Sinne.

Frühstück….

So ein Lauf ist schwer, und wie schon bereits gesagt handelt es sich bei dem AAUT um einen der schwersten Etappenläufe den man bestreiten kann, aber wir trainieren auch genau dafür. Für diese Aufgabe, das Training ist schwer, meist schwerer als der Lauf dann selbst. Aber dafür zieh ich mir jeden Tag wieder die Schuhe an und kann genau das machen, was ich am meisten liebe, Laufen.

Über viele Berge ging es beim AAUT und vor allem, wenn man erstmal oben angekommen ist, dann muss man auf der anderen Seite auch noch wieder herunter, oft wartet dann schon der nächste Anstieg gleich dahinter. Und Ungewissheit am Morgen vor dem Start, die hab auch ich. Immer. Hinzukommt das ich vor jedem Lauf aufgeregt bin, das wird sich niemals ändern, man muss lernen beziehungsweise trainieren damit umzugehen. Am Donnerstag hatten wir den langen Tag vor uns. 68 km und bei meinem letzten Start beim Al Andalus hatte ich hier einen ganz schweren Tag, daran erinnere ich mich noch heute. In diesem Jahr kam noch hinzu das ich mit dem Leader Field starten musste, da ab Tag 3 die Starter in Gruppen aufgeteilt werden. Die erste Gruppe startet 30 Minuten bevor die Führenden der Gesamtwertung an den Start gehen.

Dies war allerdings auch der Tag an dem meine Zimmernachbarin entschied aus dem Rennen auszusteigen, sie war mit einer Freundin nach Loja gekommen, die beiden liefen für big against breast cancer und hatte sich für dieses Rennen extra ein paar Tshirts gemacht, von diesem Tag an war klar das keiner der beiden dieses über die Ziellinie tragen wird.

Was ich in diesem Jahr lernen durfte war, das es Ziele hinter einem Ziel gibt. Es ist nicht die Ziellinie, oder ein Platz auf dem Podium was uns motiviert, sondern es gibt viel stärkere Motive die uns bewegen. Ich lief zurück vom Start zum Zeltlager und fragte Valerie ob sie ihr Tshirt noch da hat und ob sie mir erlauben würde es für sie anzuziehen am Freitag auf der letzten Etappe, damit wir es schaffen, alle gemeinsam, das diese Botschaft über 234 Kilometer getragen wird. Sie schaute mich nur an und nahm mich in den Arm vor Freude. „Ich kann nicht versprechen das ich es bis Freitag schaffe, das weiss man bei so einem Rennen nie, aber ich verspreche dir das ich alles dafür tun werde.“

Bevor die Hitze kam war es ganz schön kalt. Ich hab schonmal für die Weihnachtsdeko geübt

Und genau das habe ich gemacht, von dem Moment an war mir klar dass ich keine andere Option habe, ich muss am Freitag über diese Ziellinie laufen. Nicht wegen der Ziellinie, aber für diese Menschen denen ich versprochen habe alles dafür zu tun.

An diesem Tag hatte ich nicht nur einen guten Tag, ich hatten einen perfekten Tag. Und das habe ich einem weiteren wunderbaren Menschen zu verdanken, nämlich Andrea, Andrea war am Morgen bereits gestartet und nach dem zweiten Checkpunkt konnte ich mit ihr aufschliessen. Ob wir die restlichen 50 Kilometer zusammen laufen wollen hab ich sie gefragt und sie blickte zu mir zur Seite und sagte: aber du könntest heute gewinnen, wenn du dich anstrengst. Aber das wollte ich nicht, ich wollte mein Versprechen halten und einen guten Tag haben. Und genau den hatte ich. Einen richtig guten Tag. Vielleicht einen der erfolgreichsten Tage meines Lebens. Und warum? Weil ich an diesem Tag eine gute Zeit hatte, wir haben gelacht, ich habe das gemacht was ich von ganzem Herzen liebe, ich bin gelaufen und bin mit einem grossartigen Menschen im Ziel angekommen.

Gemeinsam im Ziel an Tag 4

Freitag Morgen habe ich dann das Shirt von Valerie angezogen, ein Marathon noch zurück über den Berg nach Loja. Im Ziel nahm mich Valerie in den Arm und meine ersten Worte waren: „es tut mir so leid, dass ich das Tshirt so vollgeschwitzt habe.“ Und wir haben gelacht. Ich bin zweite geworden der Gesamtwertung beim Al Andalus Ultra, was ich als Sportler sagen kann und muss ja es ist schön ein Rennen auf dem Podium zu beenden, aber glaubt ein Podiumplatz ist schön, aber einen Menschen eine Freude zu bereiten ist noch tausendmal besser. Ich habe mein Versprechen gehalten, das war alles was für mich zählte.

Als ich meinen Unfall hatte, in dem selben Jahr hatte meine Mutter Brustkrebs. Ich war 16 Jahre alt. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen worden bin habe ich mich geweigert meine Mutter dort zu besuchen, weil ich kein Krankenhaus mehr sehen wollte. Daran habe ich gedacht, auf der letzten Strecke 42 Kilometer über die Berge. Ich habe auch darüber nachgedacht das meine Mutter mir nie vorgeworfen hat wie ich mich aufgeführt habe zu dieser Zeit und auch danach. Das ist nicht da war. Und das ich etwas ganz wichtiges von ihr gelernt habe: es ist egal ob du erster wirst, oder zweiter, ob du letzter wirst oder vielleicht sogar scheiterst, Fehler machst. Nur aufgeben, aufgeben darfst du niemals. Wenn du etwas wirklich willst, da mache alles dafür das du es erreichst.

Tag 5 am vorletzten Checkpunkt, Danke Valerie

Ich hoffe ich konnte Valerie damit eine Freude bereite, zumindest etwas. Denn wenn ich eins über dieses Rennen sagen kann, mich haben in diesen Tagen viele Menschen glücklich gemacht, mich zum Lachen gebracht, mir viel Freude bereitet und mir wieder gezeigt wofür ich diesen Sport so liebe. Für die Berge, das Laufen und die Menschen die zu Freunden werden. Ich komm zurück zum Al Andalus Ultra 2022 und freu mich schon.

Ich weiss das meine Mutter das hier lesen wird.  Estoy orgullosa de ti Mami, de verdad. Te quiero.

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